Nur Mut! Kindern etwas zutrauen

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Kinder sind das Wertvollste im Leben. Der Wunsch, sie vor allen möglichen Enttäuschungen schützen und vor Gefahren im Alltag behüten zu können, groß. Die Angst, dass ihnen etwas zustoßen könnte, nicht minder.

Oft ist man daher überrascht bis überrumpelt vom Tempo, mit dem Kinder ihre Selbstständigkeit unter Beweis stellen wollen.
Praktisch „gerade erst geboren“ können schon die Allerkleinsten, bevor sie ihre ersten Worte sprechen, klar zum Ausdruck bringen, dass sie etwas selber – und zwar allein! – schaffen wollen.
Und ebenso beeindruckend ihren Frust darüber demonstrieren, dass es ihnen beispielsweise nicht gelingen will, die Bauklötze zu einem bunten Türmchen aufzustapeln.

Ihr Entdeckerdrang in Kombination mit der altersgemäßen Unbesorgtheit im Kleinkindalter schaffen oft einen Zwiespalt bei Eltern: Einerseits macht bekanntlich nur Übung den Meister, andererseits würde man sein Kind manchmal gern in Watte packen, wenn es bei seinen Steh- und Gehversuchen mal wieder auf den Po geplumpst ist oder bei den ersten Kletterbestrebungen hinauf aufs Schaukeltier den Halt verloren hat.

Je größer die Kinder werden, desto klarer werden ihre Wünsche in puncto Selbstständigkeit – oft, weil Freunde oder Geschwister bereits das dürfen, was für sie selbst bislang noch nicht zur Diskussion stand.
Der eine möchte nicht länger auf dem Schulweg begleitet werden, der andere vielleicht mit Mamas Messer das Gemüse fürs Mittagessen schneiden oder sich alleine ein Eis beim Kiosk um die Ecke kaufen.
Viele kleine Entscheidungen, die es als Eltern abzuwägen und schließlich aus einer gesunden Mischung aus Bauchgefühl, Vernunft und Erfahrung zu treffen gilt.

Manchmal „einfach machen lassen“ – auch wenn es schwer fällt?
Alles, was ein Kind lernt und übt, macht es gleichzeitig ein Stück selbstständiger und erleichtert – als angenehmer Nebeneffekt! – auch den elterlichen Alltag, wenn es viele der unzähligen kleinen Handgriffe vom Brotschmieren bis zum Schleifebinden pro Tag künftig selbst übernehmen kann.
Es lohnt sich daher aus vielerlei Gründen, nicht immer gleich „Dafür bist du noch zu klein“ zu sagen oder zu denken, sondern immer aufs Neue mit gesundem Maß abzuwägen.

Das Kind möchte sich alleine anziehen? Dann sollte es fünf Minuten früher geweckt und ihm die Zeit dafür eingeräumt werden, auch wenn es ungleich schneller ginge, wenn Mama oder Papa ihm „mal eben“ schnell Socken, Jacke oder Schuhe anziehen würden, und es eine wahre Probe für die elterliche Geduld – gerne in der ungeliebten Hektik am frühen Morgen – bedeuten kann.

Das Hantieren mit der Bastelschere scheint noch zu gefährlich für das Kindergartenkind? Meist sieht es gefährlicher aus als es tatsächlich ist und auf einen Versuch sollte man es in diesem Fall ankommen lassen.
Kinder wollen schließlich ihre Ziele erreichen und ihr Können unter Beweis stellen und bringen dafür ein hohes Maß an Konzentration und Ausdauer auf.
Kein Wunder also, dass ihnen vieles tatsächlich weitaus sicherer und geschickter – sofern man ihnen die benötigte Zeit und Ruhe zugesteht und nicht ständig kritisch prüfend und ängstlich über ihre Schulter schaut – als man es ihnen vielleicht zugetraut hätte.
Die oft verblüffend einfache Erklärung: Dies und das wird ihnen im Kindergarten – „schon längst!“ – selbstverständlich zugetraut und übertragen, wo Eltern daheim bislang das – erste – Kind noch als zu jung erachtet haben.

Auch kleine Erfolge machen stolz!
Kleine Aufgaben im Haushalt übernehmen, bei der Pflege des neugeborenen Geschwisterchens mithelfen dürfen, allein bei der Nachbarin das angenommene Paket abgeben: Kinder sind stolz auf sich, wenn sie eine Aufgabe erledigen dürfen, die sonst eher Sache der Großen ist – und sie freuen sich, wenn man stolz auf sie ist.

Natürlich läuft aber nicht immer alles glatt. Nach dem ersten Versuch, selbst Kakao warm zu machen, brauchte die Mikrowelle vielleicht hinterher eine Grundreinigung?
Statt des Unkrauts wurde der halbe Kräutergarten ausgerupft?
Die liebevoll gepflegte erste, eigene Zimmerpflanze hielt den Strapazen des Dauer-Gießens nur kurze Zeit Stand?

Kleine Rückschläge wollen mit Fassung, einer gesunden Portion Anteilnahme und einem „Kopf hoch!“ genommen und weggesteckt werden. Allzu viel Trost und Mitleid ist bei vielen Kindern hingegen – wenn auch seitens der Eltern natürlich nur gut gemeint – gar nicht gefragt.

Viel wichtiger ist es, dem Kind – unbekümmert – zu vermitteln, dass Enttäuschungen selbstverständlich zum Leben gehören und dass diese kein Grund sind, neue Aufgaben mit weniger Selbstvertrauen in Angriff zu nehmen als bisher.

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