Tränen statt Gelassenheit: Wenn Kinder beim Spielen schlecht verlieren können

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machen eigentlich immer Spaß, sind aber gerade in der kommenden, dunkleren Jahreszeit ein wunderbarer Zeitvertreib, wenn unfreundliche Wetterlagen das stundenlangen Tobe-Vergnügen im Freien trüben und die einsetzende Dunkelheit dem Nachmittag unter freiem Himmel ein frühes Ende setzt.

Gesellschaftsspiele gibt es für Jung und Alt und die ganze Familie quasi vom Kleinkind bis zur Ur-Oma.
Für eher kühle Strategen und berechnende Taktiker genauso wie für Risikobereite, die gerne auf ihr Glück beim Spiel vertrauen.
Für Kinder und Erwachsene, die dank ihrer besonderen Fähigkeiten wie Schnelligkeit oder Merkfähigkeit punkten können, genauso wie für die, die dank ihrer lebhaften Fantasie, ihrer guten Intuition oder ihrer trefflichen Menschenkenntnis sich einen Vorteil beim Spiel verschaffen können.

Wenn nach einem bunten Spielenachmittag mit abwechslungsreichen Spielen die Mischung stimmt – jeder hat mal gewonnen, aber auch mal verloren -, ist in der Regel die Welt für alle in Ordnung.

Solange sich niemand voller Schadenfreude gegenüber den Mitspielern über seine Triumphe freut und die Verlierer ihre Niederlagen (halbwegs) gelassen wegstecken können, sollte das gemeinsame Spielen für alle eine schöne Erfahrung sein, die Lust macht auf eine baldige Wiederholung.

Oft klappt es aber nicht recht so mit dem „Ein-Guter-Verlierer-Sein“:
Hat da nicht gerade der große Bruder hämisch gegrinst, als der Würfel im x-ten Versuch wieder nicht mit der „6″ nach oben landete?
Ist es nicht gemein, dass alle anderen bereits schon mindestens einmal gewonnen haben und man selbst bei der Revanche schon wieder hinten liegt?
Und wer hat überhaupt dieses blöde Spiel ausgesucht, bei dem alle immer so viel schneller sind, dass man selbst gar nicht zum Zug kommt?

Gründe, sich beim Spiel zu ärgern, kann es für Kinder viele geben.
Und – Hand aufs Herz – auch im Erwachsenenalter kann es einen beim Spieleabend mitunter noch so richtig wurmen, wenn der Sieg oft schon zum Greifen nahe war und dann doch andere das Rennen gemacht haben!
Der Vorteil gegenüber seinen Kindern: Man kann etwaige Verstimmung ob der Niederlage in der Regel gut verbergen. Einmal innerlich grummeln, den Ärger runter schlucken und die Vernunft zum Zuge kommen lassen, von wegen: „Nun ist aber gut! Es ist doch schließlich nur ein Spiel!“

Bei Kindern hingegen kann es schon mal zu mehr oder weniger kleinen Wutausbrüchen kommen. Da können Tränen fließen und Teile des Spiels vor lauter Wut im hohen Bogen woanders hin befördert werden.
Wie reagiert man dann? Einige – ganz subjektive – Erfahrungen und Tipps dazu aus Elternsicht:

Vorprogrammierten Frust vermeiden: Altersgerechte Spiele auswählen
Gerade für die Jüngeren in der Familie ist oft der Reiz groß, sich mit größeren Geschwistern in Spielen zu messen, für die sie bei genauer Betrachtung einfach noch zu jung sind.
Die grundlegenden Regeln verstehen sie zwar, die Spielzüge können sie selbstständig ausführen – und dennoch haben sie im Grunde keine Chance zu gewinnen, weil sie noch nicht in der Lage sind, ausreichend vorausschauend zu handeln, sich eine grundlegende Taktik zurecht zu legen oder verschiedene Zugmöglichkeiten auf ihren strategischen Nutzen abzuklopfen.

Sind ältere dann nicht zu sehr viel Nachsicht und Rücksicht bereit (was allen die Freude am Spiel nachhaltig trüben kann), ist das Verlieren der Kleineren praktisch vorprogrammiert.
Die Erfahrung für sie zu verlieren zusammen mit dem unguten Gefühl, gar nicht gewinnen zu können, ist am Ende doppelt frustrierend.

Von daher sind Spiele zu bevorzugen, die zwar schon für Jüngere gemacht sind, aber auch Älteren sehr viel Spaß machen.
Einige dieser „echten Familienspiele“ für Jung und Alt finden sich auf unseren Seiten ausführlich beschrieben unter dem Stichwort „Gesellschaftsspiele“.

Verlieren oder gewinnen: Immer gemeinsam!
Wer alleine gegen einen Mitspieler oder gleich gegen mehrere antritt, kann sich am Ende allein über seinen exklusiven Sieg freuen, muss aber auch allein eine Niederlage einstecken können.
Keine Frage, sind beides wertvolle Erfahrungen, die gemacht werden wollen!

Eine sehr entspannende Abwechslung von diesen sehr emotionalen Höhen und Tiefen sind zwischendurch Spiele, in denen alle an einem Strang ziehen.
Gemeinsam antreten, das heißt am Schluss: Gemeinsam jubeln oder den – meist sehr leisen – Ärger über eine Niederlage teilen.

Sicher gibt es einige Spiele dieser Art.
Zwei die bereits schon einmal hier vorgestellt wurden, sind „Obstgarten“ von HABA sowie „Wer war’s?“ von Ravensburger (hier in der kleinen Ausgabe).

Bei vielen Spielen, die auf das Gegeneinander-Spielen ausgelegt sind, können Teams gebildet werden: „Mutter und ein Kind gegen Vater und das andere Kind“ beispielsweise, „Jungs gegen Mädchen“ oder „Eltern gegen Kinder“.

Gelassen bleiben – auch, wenn es nicht immer leicht fällt
Auch, wenn man als Eltern (zu Recht) enttäuscht ist, weil der schöne, gemeinsame Nachmittag durch den Wutausbruch eines einzelnen einen ungeplanten und vor allem unangenehmen Verlauf genommen hat: Durch Schimpfen, Lautwerden und zurechtweisende Worte tut man weder sich noch dem Kind einen Gefallen.

Durch die Folgen seines eigenen Verhaltens (die Geschwister verärgert, die Stimmung auf dem Nullpunkt, keine weitere Partie des Spiels, das eigentlich so gerne gespielt wird…) ist das Kind ohnehin schon gestraft genug und viele Worte sind in diesem Moment von keinerlei großem Nutzen.

Oft sind Kinder vor lauter Zorn und Tränen ohnehin erst einmal gar nicht ansprechbar.
Statt dann mit vielen (lauten) Worten zu versuchen, zu ihnen durchzudringen, sollte man ihnen die Chance geben erst einmal zur Ruhe zu kommen, bis sich die hohen Wogen des inneren Gefühlschaos ein wenig glättet haben.

Ob es dazu den Raum verlässt oder nicht: Nach einigen Minuten sieht die Welt in der Regel schon wieder viel freundlicher aus.
Dann ist der Zeitpunkt für ruhige Worte gekommen und dafür, gemeinsam eine gute Lösung für die weitere Gestaltung des Nachmittags zu finden.

Wie immer das A und O: Ein möglichst gutes Vorbild sein
Jeder verliert hin und wieder mal. Diese Erfahrung ist wichtig, sie gehört einfach zum Leben.

Aber niemand verliert doch so richtig gerne? Und trotzdem: Am meisten Spaß macht das gemeinsame Spielen letzten Endes doch, wenn man eben nicht immer selbst auf der Gewinnerseite steht. Wenn man sich statt dessen mal für sich, öfter aber auch mal mit den anderen über deren Siege freuen kann!

Kein guter Weg ist es daher, das Kind beim gemeinsamen Spiel immer gewinnen zu lassen.
Auch, wenn es sich anfangs sicher über seine Erfolgsserie freuen würde: Spätestens, wenn es „den Braten riecht“, wird ihm das Spielen verdorben sein.
Denn: Immer nur aus „Mitleid“ gewinnen dürfen? Da ist ja Verlieren fast noch besser!

Auch langfristig tut man dem Kind damit keinen Gefallen:
Später, im Kindergarten und in der Schule wird es sich immer mal wieder mit anderen messen müssen und dann ist es gut, wenn es bereits mit Niederlagen umzugehen weiß.

Wie immer gilt daher die Devise, als Eltern mit gutem Beispiel voran zu gehen:
Man sollte keinen Hehl daraus machen, dass man im Grunde natürlich auch lieber öfter gewinnt als verliert, andererseits aber auch zeigen, dass eine gelegentliche Niederlage kein Weltuntergang ist, die immer und unbedingt große Gefühlsausbrüche nach sich ziehen muss.

Ältere Kinder werden vermutlich schmunzeln bis lachen, wenn man sie – in einer ruhigen Minute mit gebührendem zeitlichen Abstand zum letzten Wutanfall – fragt, was sie davon halten würden, wenn Mama oder Papa sich nach einem verlorenen Spiel zeternd am Boden wälzen würden.

Strahlt man Spaß am Spiel und Gelassenheit aus, bringen Sätze mit einem Augenzwinkern wie „Puh, jetzt war ich sooo kurz vorm Sieg und du hast mit doch noch überholt.“ oder „Knapp verloren! Aber die nächste Runde geht bestimmt an mich.“ überzeugend zum Ausdruck, dass Siegen und Verlieren eben oft nahe beieinander liegen, eine Niederlage wahrlich kein Grund zur Verzweiflung ist und dass sich jeder mal auf der Gewinner-, genauso wie auf der Verliererseite wieder finden wird.
Sicher wird das Kind – früher oder später – dann die Ansicht teilen: Würde immer nur derselbe gewinnen, wäre das gemeinsame Spielen auf Dauer echt ziemlich langweilig!

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