„Das kann ich schon allein!“

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Wenn Kinder diesen Satz sagen, stehen Eltern oft vor einem Zwiespalt:

Etwas alleine machen lassen, wohl wissend, dass das Kind eigentlich/vielleicht/wahrscheinlich noch zu jung dafür ist?
Oder es nicht machen lassen, weil man selbst es ihm schlicht nicht zutraut – obwohl seine Altersgenossen ähnliche Tätigkeiten vielleicht bereits spielerisch meistern?
Das Kind es doch versuchen lassen und ihm dabei hilfreich zur Seite gehen, um Risiken weitestgehend abzuwenden, jedoch auf die Gefahr hin, das Kind in seiner Motivation und seinem Selbstvertrauen zu bremsen?

Ein Patentrezept gibt es sicher nicht, fast immer aber einen gesunden Mittelweg.
Hier ein paar Tipps aus Elternsicht, wie er – hoffentlich – meist gefunden werden kann:

Nicht in enge Grenzen packen!
Das eigene Kind ist das eigene Kind.
Nicht das Kind der Schwester oder das der besten Freundin!
Diese können vielleicht schon besser sprechen oder sind erst später gelaufen, kletterten schon früh auf die große Rutsche, trauten sich dafür andere Dinge erst später zu… .

In der Regel kennt niemand das eigene Kind so gut wie die Eltern und hat seine Entwicklung so genau vor Augen.
Und auch wenn das Kind eigentlich „doch noch viel zu klein dafür“ ist, weil andere in dem Alter es sind oder waren, sollte man abwägen, ob es dies oder das nicht doch schon kann. Sofern es sich das selbst zutraut!

Umgekehrt sollte man natürlich nie darauf beharren, dass das Kind in einem gewissen Alter schon dies oder das können oder sich zutrauen muss – wiederum nur, weil andere Kinder schon dazu in der Lage sind.
Wann ein Kind sich alleine die Schuhe zubinden, ein Glas Wasser einschenken oder zur Toilette gehen kann, lässt sich nie an einem festen Zeitpunkt festmachen, und vorwiegend auf den Entwicklungsstand, nicht das Alter des Kindes sollte der Hauptaugenmerk gelegt werden.

Erfahrungen machen lassen
Ein Kind braucht Erfahrungen, um seine eigenen Grenzen kennen zu lernen.
Natürlich müssen Eltern einen Rahmen schaffen, in dem dies gefahrlos möglich ist, aber das Kind dabei so wenig wie möglich bremsen.
Manche krabbeln oder robben schon sehr früh und fallen dabei – naturgemäß – auch mal auf die Nase.
Es bringt aber wenig, das Kind deswegen zu stoppen oder in Watte zu packen, schließlich muss es Gefahren kennen lernen um entsprechende Vorsicht zu erlernen.
Auch wenn die Versuchung noch so groß ist, dem Kind nach einem Plumps auf den Po wieder aufzuhelfen, um seinem Frust durch einen neuen Versuch schnell zu mildern: Der Ehrgeiz des Kindes wird auch so ausreichend groß sein, dass es durch kleine Rückschläge so schnell nicht entmutigt sein und es wieder versuchen wird!

Ruhe bewahren!
Das gleichaltrige Kind der Nachbarin kann schon doppelt so viele Wörter sprechen wie das eigene, ein Kind in der Spielgruppe kommt schon ohne Windeln aus, ein anderes läuft schon seit Wochen frei?
Nichts setzt Eltern und damit auch Kinder mehr unter Stress als „Kindervergleiche“.
Und auch wenn es tief drinnen vielleicht wurmt, dass andere flotter sind: Einige Monate oder Jahre später ist von diesem Vorsprung bei gesunden Kindern in der Regel nichts mehr zu sehen und keiner wird mehr danach fragen, wann welches Kind sprechen und laufen konnte.
Statt zu vergleichen, immer daran denken, dass das eigene Kind das tollste auf der Welt und im wahrsten Sinne unvergleichlich ist!

Rückschläge in Kauf nehmen
Das Kind will unbedingt seinen Teller allein abräumen – und es endet mit Scherben?
Ärgerlich natürlich, aber dennoch heißt es Gelassenheit zu üben und das Missgeschick als natürlichste Sache von der Welt zu verbuchen.
Schimpfen ist fehl am Platz, macht das Geschehene nicht rückgängig, den Teller nicht wieder heil und das Kind wird durch den Misserfolg ohnehin ausreichend motiviert sein, es beim nächsten Mal besser zu machen!

Nicht immer geht es allein
Morgens drängt die Zeit, man ist sowieso schon viel zu spät dran? Und das Kind will alles alleine machen: Schal und Mütze anziehen, Schuhe und Jacke?
In diesem Fall muss auch mal ein Kompromiss möglich sein! Vielleicht findet sich eine andere Tätigkeit, die das Kind am Nachmittag als Gegenzug fürs Mal-helfen-lassen erledigen kann? Ganz allein natürlich?

Einige Anregungen dazu gibt es vielleicht in unserem Artikel Kinder und im Haushalt helfen? Aber sicher doch!

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2 Kommentare

  1. Ja!!! Und vielleicht noch als ganz wichtige Ergänzung dazu – JEDES Kind hat sein eigenes Tempo, das muss nichts mit dem der Geschwister zu tun haben. Wenn der/die Große das und jenes in dem Alter schon konnte, kann es beim dem/der Mittleren oder Kleinen wieder ganz anders aussehen.
    Liebe Grüße,
    Sabine

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