Abschiedsschmerz im Kindergarten? Wenn die Trennung von Mama oder Papa morgens schwer fällt

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Nicht nur Kindern, auch Eltern fallen die morgendlichen Abschiede anfangs oft schwer, wenn der „Ernst des Lebens“ der Kinder im beginnt.

Keine Frage: Kinder sind sehr verschieden“
Manche freuen sich seit langer Zeit auf den Kindergarten, kennen die Einrichtung vielleicht auch schon recht gut von „Schnuppertagen“ oder durch das Hinbringen und Abholen älterer Geschwisterkinder, reagieren aber dann unerwartet ängstlich und anhänglich, wenn es soweit ist.
Andere widerum haben gar kein Problem mit der stundenweisen Trennung von den Eltern, unabhängig davon, ob sie vorher bereits eine Spielgruppe o. ä. besucht haben.
Wieder andere finden trotz anfänglicher Skepsis schnell jemanden oder etwas, der den Abschied leicht und das Bleiben im Kindergarten so richtig schön macht.

Damit Eltern wissen, worauf sie sich in Punkto Eingewöhnung ab dem ersten Kindergartentag einstellen können, ist ein rechtzeitiges Gespräch mit den zukünftigen Betreuungspersonen ratsam:
manche bevorzugen es, wenn die Kinder gleich vom ersten Tag an am normalen Rhythmus des Kindergartenalltags teilhaben, also morgens bis zu einer bestimmten Zeit gebracht und erst zur regulären Zeit wieder abgeholt werden.
In anderen Einrichtungen wird mit einigen Stunden Eingewöhnung pro Tag begonnen und die Bleibezeit allmählich gesteigert.
Auch wird es unterschiedlich gehandhabt, wie lange die Eltern in der Gruppe bleiben dürfen.

In jedem Fall haben die Betreuungspersonen viel Routine und einen wertvollen Erfahrungsschatz, von denen sicher alle Eltern profitieren können.

Hier noch einige, ganz persönliche Tipps aus Elternsicht, wie der Start im Kindergarten gut gelingen kann.
Wie immer nicht „wissenschaftlich fundiert“, sondern nur aus dem eigenen Erfahrungsschatz:

Der erste Tag!
Am ersten Tag ist vieles neu! Fremde Gesichter, fremde Umgebung.
Niemand wird es einem Kind verübeln, wenn es dort nicht auf Anhieb alleine bleiben will und die Hand des begleitenden Elternteils nicht loslassen mag!
In der Regel kümmert sich eine Erzieherin besonders aufmerksam um das frischgebackene Kindergartenkind, zeigt ihm alles, weist ihm ein Fach an der Garderobe zu, stellt ihm vielleicht die anderen Kinder vor, die mit ihm auf einer Wellenlänge liegen könnten.
Dem neuen Kindergartenkind wird es sicher gefallen sich alles anzuschauen – solange es Mama oder Papa in der Nähe weiß.
Um dann nicht zu einem scheinbar willkürlichen Zeitpunkt den Abschied verkünden zu müssen, ist es ratsam, dem Kind schon morgens das mitzuteilen, was vorher mit dem Kindergarten vereinbart wurde, z. B. „Ich bleibe bis der große Zeiger auf der 6 steht, aber dann gehe ich.“ – oder eben: „Heute bleibe ich erstmal den ganzen Vormittag hier“.

Konsequenz ist (fast) alles
In den folgenden Tagen hat man als Eltern sicherlich schon einen Eindruck gewonnen, wie es dem Kind im Kindergarten gefällt, ob die Tränen am Morgen aus wirklich tiefem Abschiedsschmerz heraus kommen oder mehr aus einer Art „Trennungs-Unlust“ und dem Wunsch, den Vormittag lieber gemütlich mit Mama oder Papa und eventuell jüngeren Geschwistern daheim zu verbringen.
Vielleicht ist Abschiedsschmerz auch schon gar kein Thema mehr.

Weiterhin helfen klare Absprachen über den Abschiedszeitpunkt: dem Kind bei der Orientierung in der neuen Situation, den Eltern, den anvisierten Zeitpunkt auch wirklich einzuhalten, besonders, wenn sie einfach weg müssen, weil die Arbeit ruft.
So kann die Zeit, die ein Elternteil morgens mit in der Gruppe bleibt, vielleicht jeden Tag um fünf Minuten verkürzt werden?

Konsequenz ist dabei – wie immer – ein wichtiger Punkt: wenn das Kind trotz vorheriger, konkreter Absprache mit Gequengel noch fünf Minuten und noch fünf Minuten und noch fünf Minuten „heraus schlagen“ kann, wird es in Zukunft sicher öfter auf diese Taktik setzen … .

Den Morgen gut beginnen
Nicht zu spät wecken, damit keine Hektik aufkommt und Zeit für Frühstück und einen stressfreien Weg zur Einrichtung bleibt: Was später für Schulkinder gilt, bewährt sich auch bei Kindergartenkindern!
Manchmal ist es trotz eines generell gelungenen Starts in den Tag dann der kurze Moment beim Betreten der Gruppe, der über „Abschiedstränen oder nicht?“ entscheidet:
Das Kind kommt in die Gruppe, alle Kinder sind bereits alleine oder gruppenweise ins Spiel vertieft, keine Aufgabe will ihm gleich ins Auge springen – da scheint die Anwesenheit von Mama oder Papa in der Gruppe unverzichtbar oder das eigene Kinderzimmer daheim vielleicht gleich noch mal so verlockend!

Wer beschäftigt ist, kommt schneller auf andere Gedanken! Wird das Kind gleich bei seiner Ankunft in ein schönes Spiel mit anderen Kindern eingebunden, sind die Eltern manches Mal ganz schnell abgemeldet!

Auf der anderen Seite gibt es Kinder, die nicht „Von Null auf Hundert“ ihren Kindergartentag beginnen und erst einmal Ruhe brauchen.
Wenn ein Kind zunächst außerhalb sitzen möchte, „nur“ beobachten und dabei zufrieden ist, sollte es von den Eltern nicht immer wieder zum Spielen mit anderen Kindern motiviert werden.
Auch wenn das Kind von außen betrachtet vielleicht „einsam“ erscheint, kann es sich dabei sehr wohl fühlen.

Ziele schaffen
Manchmal dauert die Eingewöhnungzeit eine Weile.
Nicht selten sind es auch Kinder, die schon lange in die Einrichtung gehen und plötzlich morgens wieder klammern und sich tränenreich weigern, von den Eltern Abschied zu nehmen.
In diesen Fällen ist es sicher gut, wenn das Kind morgens ein Ziel vor Augen hat und keinen „Leerlauf“ fürchten muss, der den Abschied schwer macht und den Kindergartentag lang erscheinen lässt.
Beispielsweise:

  • Die besten Freunde kommen morgens zur gleichen Zeit an: Gemeinsam umziehen, in die Gruppe gehen, ein Spiel beginnen – das kann ungemein hilfreich sein! Eventuell lassen sich diesbezügliche Absprachen mit anderen Eltern treffen?
  • Vielleicht lockt ein Lieblingsspiel, das es zu Hause nicht gibt und gleich am Morgen gespielt werden kann? Wenn die Erzieherin genau das beim Abholen am Vortag zugesichert hat, beginnt der Morgen gleich viel besser.
  • Wichtige Aufgaben warten? Kinder, die sehr früh – vielleicht täglich als Erste – gebracht werden, erleben den Kindergarten oft von einer ganz anderen Seite als die Kinder, die erst später in die Gruppe kommen. Sicherlich gibt es das ein oder andere im Gruppenraum für den Kindergartentag vorzubereiten und wichtige Dinge zu erledigen. Und die Erzieherin mal ganz für sich zu haben, genießen auch viele Kinder!
  • Aber auch, wer morgens nicht zu den Ersten gehört, den erwarten vielleicht noch Aufgaben, die erledigt werden wollen: ein Bild für Papa oder eine Webarbeit für Oma, die am Vortag nicht fertig geworden sind? Wer sich gleich „an die Arbeit“ machen kann, hat oft gar keine Zeit für viele Abschiedstränen?

Klare Abmachungen
Ganz wichtig für die Kinder zu wissen ist, dass sie sich auf die Eltern verlassen können. „Wenn der große Zeiger auf der 3 und der kleine auf der 12 steht …“.
Wenn diese Abholzeit vereinbart ist, sollte es auch nicht halb eins werden.

Hilfe in Anspruch nehmen
Oft hilft alles nichts, wenn die Tränen rollen, das Kind sich festklammert und dennoch der wichtige Termin auf der elterlichen Arbeit wartet:
Manche Eltern finden es herzlos, in solch einer Situation der Erzieherin „einfach“ das Kind an die Hand zu geben und zu gehen.
Andererseits ist ein langer, hinausgezögerter Abschied aber oft viel schmerzlicher für alle Seiten als ein klarer Schlussstrich, denn der Abschiedsschmerz wird mitunter auch nach mehreren Stunden Anwesenheit der Eltern in der Gruppe nicht weniger werden!
Und nicht selten werden Eltern mittags zu hören bekommen „Kurz, nachdem Sie die Gruppe verlassen hatte, war alles in bester Ordnung“.

Nichts anmerken lassen
Ganz wichtig: eigenen Kummer und Unsicherheit nicht anmerken lassen. Merkt das Kind, dass die Mutter nicht loslassen mag, wird es sich auch schwerer trennen können.
Ein „Ich freue mich auf unser Wiedersehen am (Nach)Mittag“ hinterlässt beim Kind ein sehr viel besseres Gefühl als ein „Ich bin auch traurig, dass ich jetzt gehen muss!“
Vielleicht muss man auch – gerade beim ersten Kind – ein wenig Geduld aufbringen, bis sich das überzeugende Gefühl einstellt: Meinem Kind geht es dort sehr gut und es ist wunderbar aufgehoben!
Denn nirgendwo hat es in diesem Alter so viele tolle Möglichkeiten, andere Kinder zu treffen, zu lernen, zu spielen und ein ganzes Stück selbständiger und selbstbewusster zu werden!

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