Familien-Spieltipp für die Osterferien – Nummer 1: „Hanabi“

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Schon länger im Handel erhältlich, prämiert als „Spiel des Jahres 2013“, auch hier zu Hause eins der Spiele, das gerne an einem Spielenachmittag/-abend zum Einsatz kommt – und deswegen heute an dieser Stelle vorgestellt für alle, die Spaß an kooperativen Gesellschaftsspielen haben und bislang noch nicht so genau wissen, was sich hinter dem kleinen, aber feinen und nach wie vor praktisch allseits präsenten „Hanabi“ eigentlich verbirgt.

Spielmaterial und dies und das“ zum Spiel
Heute einmal gleich zu Anfang die „Eckdaten“ zum Spiel: „Hanabi“ ist ein Kartenspiel für 2-5 Spieler ab 8 Jahren (persönlich empfohlen allerdings eher ab 10 Jahren, da es sehr viel vorausschauendes, logisches und empathisches Denken erfordert) aus dem Hause ABACUSSPIELE.
Öffnet man die Schachtel, findet man neben 60 ansprechend gestalteten Spielkarten lediglich einige Plättchen (die sogenannten „Hinweis“– und „Gewitter-Plättchen“) und natürlich die Spielanleitung: übersichtlich gehalten mit ihren leicht zu verstehenden Regeln, deren Tücke jedoch im Detail liegt!

Wer einen Blick auf das Spiel werfen möchte, kann dies HIER auf der Internetseite des Spieleverlags ABACUSSPIELE tun.
Mit einem Preis von (manchmal deutlich) unter 10 Euro eignet sich „Hanabi“ ideal als Geburtstagsgeschenk zum Kindergeburtstag oder als kleines Mitbringsel unter Freunden.

Spielidee und Spielablauf
Der Clou an diesem Spiel ist genial einfach, aber durchaus gewöhnungsbedürftig: Jeder Spieler hält seine Handkarten so in den Händen, dass er auf deren Rückseiten schaut, während nur die Mitspieler wissen, welche Zahlenkarten in unterschiedlichen Farben er dort vor sich hat.
Ziel des Spiels ist dabei, was so simpel klingt, im Spiel ber zum sprichwörtlichen Haareraufen führen kann: Die Karten auf farblich sortierten Stapeln in aufsteigender Reihenfolge gemäß der aufgedruckten Zahlen abzulegen.
Sprich: Auf beispielsweise die zuerst abgelegte Grüne 1 soll die Grüne 2, dann die 3 usw. folgen, ebenso bei den anderen Farben.

Logisch, dass es ein schier unmögliches Unterfangen ist, zielgerichtet stets die richtige Karte zu einem Ablagestapel beizusteuern, wenn man überhaupt nicht weiß, welche Karten man auf der Hand hält!
Also sind die Mitspieler gefragt, Hinweise zu gehen, die so viel Informationen über die Kartenhand liefern wie nötig, aber auch nicht mehr. Denn jeder Hinweis kostet ein „Hinweisplättchen“ und diese sind rar gesät, müssen sich zwischendurch wieder zurück„verdient“ werden und sind daher kostbar und so minimalistisch wie möglich einzusetzen!

Für das Geben von Hinweisen gelten „natürlich“ einschränkende Regeln.
Wäre es erlaubt zu sagen „Das da ist eine Grüne 1 und da hast du die Rote 2…“ wäre „Hanabi“ in der Tat keine große Herausforderung!
Stattdessen darf pro Tipp lediglich die Information über eine (vorhandene oder auch nicht vorhandene) Farbe oder Zahl auf der Hand des Spielers gegeben werden.
Hält dieser mehrere gleichfarbige oder „gleichzahlige“ Karten auf der Hand, muss auf alle dieser Art hingewiesen werden, was die Sache nicht gerade einfacher macht, möchte man doch eigentlich nur auf die eine Karte (die just abgelegt werden könnte…) aufmerksam machen.

In welcher Reihenfolge, in welchem Tonfall und mit welcher Mimik ein Mitspieler Informationen liefert, ist selbstredend ihm überlassen…
Und genau darin liegt der unwiderstehliche Reiz von „Hanabi“: Zwischen den Zeilen, in den Gesichtern und der Gestik der Mitspieler zu lesen und selbst Hinweise so zu „verpacken“, dass sie mehr verraten als die wenigen Worte, die es dafür bedarf.

Ein Beispiel dafür:
Das ist eine weiße Karte“ kann im ersten Spiel noch eine recht wertlose Information darstellen. Eingespielt als Team kann dieser kleine Hinweis jedoch so viel mehr bedeuten.
Beispielsweise kann je nach Tonfall, Nachdrücklichkeit und Mimik
DAS ist eine weiße Karte…“ zum Ausdruck bringen:
„… also passt sie JETZT auf den weißen Stapel. Leg sie getrost ab!“
oder aber
„… aber Du kannst sie jetzt NICHT ablegen. Die braucht uns vorläufig mal gar nicht zu interessieren.“
oder auch
„Das ist die ERSTE von deinen weißen Karten, die abgelegt werden können, und DAS ist die zweite“.

Es macht Spaß, sich im Grunde strikt an die Regeln zu halten (die Blöße zu „schummeln“, sprich: mehr zu sagen als erlaubt, möchte sich natürlich niemand geben!) und dennoch alle wichtigen „Zusatz-Infos“ zu den einzelnen Karten so zu vermitteln versuchen, dass sie vom Gegenüber richtig verstanden werden.
Stets mit bester Absicht, dass benötigte Karten in der richtigen Reihenfolge abgelegt werden (was vollständig nicht allzu oft gelingt, da es auch abhängig vom Glück beim anfänglichen Kartenmischen ist), dass überflüssige Karten abgeworfen werden und damit einem echten Erfolgserlebnis langsam, mit Bedacht, Stück für Stück näher zu kommen.

Immer wieder eine neue Herausforderung ist es sicherlich, „Hanabi“ dann einmal in einer ganz anderen Spielerkonstellation zu spielen oder mit einzelnen neuen Mitspielern, die mit dieser speziellen, persönlichen, bewährten Gestik und Mimik untereinander noch nicht vertraut sind.

Was auch erwähnt werden sollte…
Ein gutes Ergebnis erreicht wird gemeinsam oder gemeinsam eben nicht. Verlierer oder Gewinner im klassischen Sinne gibt es bei „Hanabi“ daher nicht.
Alle Mitspieler ziehen an einem Strang, erlangen – je nach Glück und guter Taktik – zusammen eine gute Punktzahl, ein eher durchwachsenes Resultat oder eine wahre Niederlage.
Und dennoch kann sich am Ende einer mehr als der andere verantwortlich für ein eher maues Spielergebnis fühlen, und es kann gelegentlich Knatsch geben, wenn ein Mitspieler beispielsweise Hinweise falsch deutet, daher nicht erwartungsgemäß oder sinnvoll handelt oder – schlichtweg aus Mangel an wertvollen Informationen – eigenmächtig auf gut Glück Karten abwirft oder ausspielt und damit Punkte verschenkt oder gar das Spiel zum vorzeitigen Ende bringt.

Daher das Fazit:
Hanabi“ ist ein anspruchsvolles Spiel, immer wieder eine Herausforderung, die eine Menge Spaß macht, für die man aber in der richtigen Stimmung sein muss.
Generell eignet sich das Spiel sicherlich eher weniger für sehr ausgelassene Spieleabende, da es allseits höchste Konzentration, Merkfähigkeit und die nötige Ruhe erfordert, um feine Zwischentöne richtig deuten zu können.
Weil diese in der Regel nach einer Weile nachlassen, ist „Hanabi“ kein Spiel, um sehr viele Male direkt hintereinander gespielt zu werden, wohl aber ein idealer Einstieg oder auch ruhiger Abschluss eines Spiel-Beisammensein.

Stimmen muss auf jeden Fall das Verständnis für das Spiel untereinander innerhalb einer Gruppe. Während für den einen vielleicht ein unauffälliges Kopfnicken, ein skeptischer Blick oder ein fast verstecktes Räuspern als kleine Hilfestellung im richtigen Moment als Mittel zum Zweck völlig in Ordnung geht, kann dies für den anderen schon einen unerwünschten Regelverstoß bedeuten.
Aber wie ist es sinngemäß in der Anleitung so nett zu lesen? Manchmal kann man einfach nicht mit Äußerungen und Emotionen hinterm Berg halten, und so viel Interaktion wie gefällt, sollte auch erlaubt sein.
Schließlich sollte immer der Spaß im Vordergrund stehen!

Warum dann eigentlich nicht ständig geschummelt wird, wo es doch bei diesem Spiel so einfach ist wie bei kaum einem anderen? Weil ein nicht ehrlich errungenes Spitzenergebnis ganz gemein an der Ehre und am Ehrgeiz nagen würde!

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