Nur die Ruhe bewahren: Streit unter Geschwistern im Teenager-Alter

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Oft reicht eine klitzekleine, unpassende Bemerkung, ein kaum wahrnehmbarer, „falscher“ Blick oder ein anderer, für Außenstehende nur mit Mühe erkennbarer und nicht nachvollziehbarer Auslöser und schon fliegen die Fetzen zwischen Geschwistern.
Beste Voraussetzungen dafür: Gleiches Geschlecht der Kinder, vom Alter her nah beieinander und gerade befallen vom Schreckgespenst „“!

Ältere Kinder beziehungsweise Jugendliche suchen und finden sich in dieser Phase selbst, sind häufig allzu kritisch mit sich, schnell verunsichert, wenn sie fürchten, nicht hübsch, schlau, cool, beliebt genug zu sein, bei einem Trend nicht mithalten zu können oder in der Schule hinter eigenen – und elterlichen – Erwartungen zurück zu bleiben.

Kein Wunder, dass da die kleinste Bemerkung über das vermeintliche Stück Schokolade zu viel, den verhauenen Vokabeltest oder das eventuell vielleicht nicht mehr absolut im Trend liegende T-Shirt zu enormen Gefühlsausbrüchen führen kann, die in ihrer Heftigkeit – Türen knallen, Tränen fließen, Wortwahl, die zu Wünschen übrig lässt – schwer nachzuvollziehen sind.

Auch wenn es (Eltern) nervt:, so zeigt die Erfahrung:

  1. Streiten hat auch sein Gutes! Ganz ohne Konflikte wird niemand durchs Leben kommen, daher: Streiten will gelernt und geübt sein – und dann doch lieber mit den eigenen Geschwistern unter dem eigenen Dach, wobei man hier und da als Eltern von klein auf an einer akzeptablen Streitkultur (Sachlich argumentieren, fair und beim Thema bleiben, Kompromisse finden, keinerlei Duldung von Hauen, Treten, Kneifen, Kratzen…) feilen konnte, als außerhalb der eigenen vier Wände, wo mit anderen Gleichaltrigen vielleicht ganz andere Regeln gelten.
  2. Streit zu verbieten bringt nichts! Was gesagt werden muss, muss halt manchmal einfach raus, praktisch als reinigendes Gewitter, anstatt dass Wut und Ärger noch auf unbestimmte Zeit länger vor sich hin gären.

Wie also reagieren, wenn man wieder die Zeichen auf Zoff stehen?
Einige Ideen aus persönlicher Elternsicht und -erfahrung:

1 Nicht verunsichern lassen!
Selbst wenn man immer um Frieden im Haus bemüht ist: Das schafft vermutlich kein Elternpaar!
Andersherum formuliert: Disharmonie unter Geschwistern sollte keineswegs als Folge eigener Fehler in der Erziehung oder als Versagen in der elterlichen Vorbildfunktion überbewertet werden!

2 Kindern Freiräume schaffen
Jugendliche brauchen räumliche wie zeitliche Freiräume.
Wenn es hier oder dort im wahrsten Sinne „eng“ wird, können Eltern behilflich sein, ihnen neue zu verschaffen. Bei einem gemeinsamen Jugendzimmer können beispielsweise „Nutzungszeiten“ vereinbart werden, damit ein Kind mal ungestört sein kann.
Vielleicht können andere Räume im Haus so umfunktioniert werden, dass das andere in der Zeit dort ungestört mit seinem Musikinstrument üben, Hausaufgaben machen oder sich mit Freunden treffen kann.

Wenn der Wochenplan zu voll ist, hilft es vielleicht, Hobbys und andere Freizeitaktivitäten kritisch unter die Lupe zu nehmen oder umzuorganisieren, denn ständiges Gestresstsein ist für die Harmonie in der Familie bekanntlich nicht förderlich.

3 Sich Auszeiten gönnen
Teenager wollen und müssen ihre kleine Alltagskämpfe untereinander austragen. Und schaffen das in der Regel auch sehr gut ohne elterlichen Beistand.
Wenn der Streit schon längst nicht mehr so einfach abgestellt werden kann wie dies vielleicht noch in den längst vergangenen Zeiten der frühen Kindheit gelang, wenn Schlichtung seitens der Eltern nun wirklich das Allerletzte ist, das gefragt ist, dann dürfen Eltern aber sehr wohl jugendliche Streithennen oder -hähne darauf aufmerksam machen, dass sie nicht allein sind unterm Dach der Familie und Rücksicht auf sich selbst und eventuell weitere fordern.

Wenn es dennoch zu laut bleibt, die Türen knallen und die (Wort)Fetzen fliegen, die „Protest-Musik“ immense Lautstärke erreicht, schnappen Sie sich doch einfach den Hund oder drehen alleine eine Runde um den Block, bevor die eigene Laune auch noch am Boden liegt, erledigen Sie Einkäufe und haben Sie kein schlechtes Gewissen, wenn der Nachwuchs deshalb womöglich ein wenig länger aufs Abendessen warten muss.
Alternativ: Setzen Sie die Streitwütigen vor die Tür und lassen Sie sie ihre Konflikte unter freiem Himmel austragen oder drücken Sie Ihnen Geld und Einkaufszettel in die Hand und lassen Sie einige Besorgungen machen. Frische Luft befreit den Kopf und ein Umgebungswechsel – ohne eigenes Zimmer als Möglichkeit zum Rückzug – bietet beste Chancen, um auf andere, hoffentlich versöhnliche Gedanken zu kommen.

4 Anderen ergeht es auch nicht anders!
Nutzen Sie Gelegenheiten, sich mit Eltern Gleichaltriger auszutauschen.
Wahrscheinlich wird man zusammen schnell zur Erkenntnis kommen: In anderen Familien geht es unter den Kindern gelegentlich auch hoch her! Selbst in denen, wo die ruhig anmutenden Teenager nach außen hin stets pure Harmonie zu verbreiten scheinen.
Diese Erkenntnis wird in Zukunft keinen Streit vermeiden, aber: ein wenig tröstlich ist sie doch allemal!

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