„Pflicht“ oder „Kür“? Mit Kind zum Frisör

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Manch ein Kind kommt mit wenig bis gar keinem Haar auf die Welt.
Und auch in den folgenden Jahren ist an wallende Lockenpracht oder lange Mähe nicht annähernd zu denken. Die Frage des Haareschneidens erübrigt sich schlichtweg.

Bei anderen Kindern hat man hingegen schon früh das Gefühl: „So viel Haar ist fast ein wenig viel des Guten“.
Die Schere müsste dringend mal angesetzt werden!

Aber möchte man als ungeübte, dem Frisörfach fremde Eltern sich tatsächlich daran versuchen, seinem Kind zu einem schicken Haarschnitt zu verhelfen?
Oder gibt man die kostbaren Locken und Strähnen lieber in die Hände von jemandem, der sein Handwerk gelernt hat und sein Fach versteht?
Die pauschal richtige Antworte auf diese Frage gibt es wie so oft im Leben sicherlich nicht, aber einige Aspekte, die beim Abwägen auf dem Weg der Entscheidung vielleicht hilfreich sein können:

Kleiner Wildfang oder die Ruhe in Person?
Manche Kinder lernen schon früh die Atmosphäre eines Frisörsalons lieben und halten geduldig und nahezu ehrfürchtig still, während Kamm und Schere zum Einsatz kommen.
Winken dann noch ein Lolli oder ein versprochenes, wenn die Haare in Form gebracht wird, ist der Frisörbesuch für sie ein absolut „rundes“ Erlebnis und beim Verlassen des Salons nehmen sie die Vorfreude aufs nächste Mal schon mit nach Hause.

Für andere Kinder ist das gebotene Stillsitzen alles andere als ein Anlass zur Freude. Das Haareschneiden gerät nicht nur für das Kind selbst zur anstrengenden Geduldsprobe.
Wenn der Frisörbesuch bekanntermaßen schon im Vorfeld gutes Zureden erfordert, tröstende Worte braucht und viele Nerven kostet, wird die Entscheidung zunächst leicht fallen, das Ganze jedes Mal möglichst weit hinaus zu schieben.
Sicher und tröstlich ist dabei: Das Kind wird immer älter werden und damit vieles immer leichter!

Vermutlich wird die Realität irgendwo zwischen diesen beiden Extrema liegen.
Bevor man sich als Eltern lange den Kopf zerbricht über das Für und Wider und ob man nun den Gang zum Frisör wagen soll oder nicht, bevor man Rat bei anderen Eltern sucht, die einem nicht wirklich weiter helfen können, weil sie einfach nicht dieselben Kinder haben: Lassen Sie es auf einen Versuch ankommen!
Ein Frisörbesuch kostet nicht die Welt, dauert nicht ewig und kann immer noch abgebrochen werden, bevor die erste Strähne gefallen ist!

Ich will aber nicht zum Frisör!“
Möchte ein Kind nicht zum Frisör, wird es auch in sehr jungen Jahren seine Gründe haben, die schwierig aus der Welt zu räumen sind:

Meins!“ wird vielleicht das erste und im Grunde unschlagbare Argument des Kindes sein!
Ganz sicher ist dies schließlich eins der beliebtesten Worte im Kleinkindalter und ein Kind bis weit ins Kindergartenalter hinein wird im Angesicht der Frisörschere wohl die berechtigte Frage stellen dürfen, wie ein Wildfremder dazu kommt, an seinen vielleicht heißgeliebten Haaren herum zu schneiden!

Ein „Du siehst danach noch hübscher aus“ seitens der Eltern wird dann kaum fruchten.
Besser ist es natürlich abzuwarten, ob der Nachwuchs nicht irgendwann selbst von seinen Haaren genervt ist, weil sie ständig im Gesicht hängen oder es im Sommer unter der dicken Haarpracht unangenehm warm wird.
Ob dieser Zeitpunkt jedoch jemals kommt, ist mehr als ungewiss…

Weiter wird es seitens des Kindes vielleicht heißen „Frisör? Stinklangweilig!“
Keine Frage: Warten und still zu sitzen, den Erwachsenen beim Plaudern zuzuhören, ist für Kinder in der Regel furchtbar öde.
Das wissen aber auch Frisöre!
Schauen Sie gezielt nach einem kinderfreundlichen Salon, in dem das Kind vielleicht den beruhigenden Zuspruch bekommen, den es benötigt. In dem ein wenig Unterhaltung gegen die Langeweile vorher geboten wird wie auch beim Haareschneiden selbst durch jemanden, der die Prozedur zur kurzweiligen Angelegenheit macht, gute Laune verbreitet, zu Späßen aufgelegt ist, einfühlsam mögliche Skepsis erkennt und dieser entgegen wirkt.

Erkundigen Sie sich im Bekanntenkreis, wer dort die Kinderhaare in Form bringt, wo die Kinder gern hingehen, wo alles auf die Bedürfnisse der kleinen Kundschaft zugeschnitten ist!
Das beginnt bei geeigneter „Lektüre“ (Bilderbuch und Co.) im Wartebereich und endet bei einem Frisörstuhl, der speziell für Kinder gemacht ist.

Heikel wird es, wenn das Kind ganz klar äußert: „Ich hab Angst!“
Das möchte man seinem Kind ja nun wirklich nicht antun!
Aber: Angst bedeutet oft Angst vor dem Unbekannten. Und das einfachste Mittel dagegen ist: Nehmen Sie Ihr Kind mit zum Frisör und lassen Sie es beim ersten Besuch dort erst mal nur zuschauen!
Lassen Sie es mit eigenen Augen sehen, dass weder die scharfe Schere noch der laute Haartrockner bedrohlich sind, weh tun oder verletzen.
Und: Zeigen Sie Begeisterung, wenn Ihnen ein neuer Haarschnitt verpasst wurde!
Vielleicht zelebrieren Sie das Ergebnis sogar etwas überschwänglicher als Sie es sonst tun, damit Ihr Kind merkt: „Mama/Papa hat sich das so gewünscht, ist glücklich mit dem, was soeben passiert ist – und bezahlt sogar noch Geld dafür!“

Möchten Sie lieber auf den Frisörbesuch fürs Kind verzichten, gibt es schon morgen an dieser Stelle einige Erfahrungen und Tipps zum Thema „Selbst gemacht: Ein Haarschnitt fürs Kind“.

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