Taschengeld im Grundschulalter – Teil II: Knifflige Fragen! Wie verhält man sich als Eltern, wenn…

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Ja ja, das liebe Geld.
Nicht nur, dass es praktisch in jedem Alter oft Mangelware ist und der Kontostand gerne häufig etwas positivere Zahlen aufweisen dürfte…

Schon wenn der Nachwuchs im zarten Alter mit noch überschaubaren Taschengeldsummen zu hantieren beginnt (siehe Teil 1: „Taschengeld im Grundschulalter – Teil I: Wie viel, wie oft und wofür?“), bereiten diese ihrem stolzen Besitzer häufig bereits die Qual der Wahl beim Anblick der Süßigkeitenboxen am Kiosk.
Mehr noch: Sie bescheren den zugehörigen Mamas und Papas so manches Kopfzerbrechen, wenn Sohn oder Tochter das verfügbare Budget plötzlich ein wenig mickrig erscheint oder die kindliche Kauflust einmal nicht zu bremsen war, und lassen Eltern allzu häufig die Frage nach Sinn und Unsinn eines geplanten Einkaufs aufs Tapet bringen.

Keine Frage: Man möchte für seine Kinder stets das Beste, sie vor Enttäuschungen bewahren und ihnen wertvolle Ratgeber sein.
Auch beim Erlernen des Umgangs mit dem ersten Taschengeld sollten Eltern daher natürlich an der Seite ihres Kindes sein, einen gesunden Mittelweg finden zwischen Einmischung und Zurückhaltung!
Fingerspitzengefühl und Diplomatie sind dabei häufig gefragt. Und ein kühler Kopf, um besonnen zu reagieren, wenn beim (Reiz)Thema Geld die Emotionen hochzukochen drohen.

Einige Gedanken zu „3 typisch tückischen Taschengeldmomenten“:

1 Ein ganz offensichtlicher Fehlkauf steht an?
„Dafür willst du doch nicht ernsthaft dein Taschengeld ausgeben!?“
„Das ist sein Geld garantiert nicht wert!“
„Daran hast du bestimmt nicht lange Freude – und dann tut es dir Leid ums Geld!“
„Anstatt das zu kaufen, würde ich mein Geld lieber sparen!“
Mal ehrlich: Kaum jemand kann sich solche Bemerkungen verkneifen, wenn man das eigene Kind Gefahr laufen sieht, einen klassischen Fehlkauf zu tätigen.

Geld sprichwörtlich ganz offensichtlich zum Fenster hinaus zu werfen, schmerzt einfach zu sehr. Egal, ob es das eigene ist oder nicht.
Auch wenn es schwer fällt: Lassen Sie solche Erfahrungen zu, auch wenn Sie nicht 100prozentig hinter dem Kauf stehen!
Erinnern Sie Ihr Kind zwar: „Jeder Cent, jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden!“, aber lassen Sie es die finale Entscheidung treffen.

Ist das Taschengeld schließlich für das Objekt der Begierde in die Ladenkasse gewandert und die geäußerten Befürchtungen, dass das Spielzeug sein Geld nicht wert sei, bewahrheiten sich leider, ist das natürlich ärgerlich für alle Beteiligten.
Aber es ist auch eine wichtige Lehre: Es ist nicht alles Gold, was glänzt! Und nicht jedes Werbeversprechen bringt dem Käufer tatsächlich die angepriesene Glücksseligkeit!

Mit etwas Glück wird das Kind beim nächsten Mal schon zu einem viel kritischeren Einkäufer geworden sein, der mit gutem Gefühl alles im Regal liegen lassen kann, das vielleicht lockt, aber nicht ganz und gar überzeugt.

2 Andere Kinder bekommen mehr Taschengeld?
Kinder sind stolz auf das, was sie haben und bekommen, und halten gegenüber Gleichaltrigen mit Finanzdingen nicht verlegen hinterm Berg!
Auf eines ist dabei Verlass: Egal, wie viel Taschengeld das eigene Kind bekommt, es wird garantiert einen oder eine im Freundeskreis oder in der Schulklasse geben, der/die mit noch größeren Summen aufwarten kann!
Für das eigene Kinder vielleicht frustrierend.
Für Eltern auch – wenn auch auf andere Weise: Gestern noch war die vereinbarte Summe schließlich völlig in Ordnung und plötzlich ist sie nicht mehr gut genug.
Wie war das mit dem Undank und dem Welten Lohn…?

Stehen Sie als Eltern trotzdem zu dem, was Sie mit Ihrem Kind vereinbart haben anstatt postwendend das wöchentliche Taschengeld nach oben anzupassen!
Andere Eltern haben Ihre Gründe, mehr zu geben. Sie haben sich sicherlich aus guten Gründen für einen gewissen Betrag entschieden, den Sie nicht in Frage stellen sollten!
Auch das ist schließlich das Leben:
Einige haben mehr als andere. Das ist so und wird immer so sein!
Manch einer kann sich jeden Wunsch spontan erfüllen, ein anderer muss sparen und sich in Geduld üben!

Dass das erste nicht unbedingt glücklicher machen muss als die zweite Option, ist Kindern schwerlich zu erklären, aber früher oder später im Leben werden sie ganz gewiss selbst diese Erfahrung machen dürfen.
Bis dahin gilt, das Beste draus zu machen: Haushalten will eben gelernt sein und ist eine wichtige Fähigkeit, die dem Kind sein ganzes Leben lang zugute kommen wird!

3 Ist ein Taschengeldvorschuss „erlaubt“?
Die Woche war „plötzlich“ länger als das Taschengeld reichte?
Kinder sind clever und wohl jedes wird da wohl auf die Idee kommen, dass man doch „ausnahmsweise und nur dieses eine Mal“ schon mal nach dem Taschengeld für die kommende Woche fragen könnte.
„Diese Woche waren die Ausgaben eben besonders groß und dringend. Aber nächste Woche steht ja eigentlich nichts an und dann lässt sich ja (vielleicht) gut sparen…“

Auch wenn diese Anfrage Ihr Herz erweicht: Ohne wirklich triftigen Grund sollten Sie dem nicht nachkommen. Denn mit größter Wahrscheinlichkeit wird es in der nächsten Woche dann wieder knapp. Oder sogar noch knapper.
Und so steht das Kind letzten Endes über längere Zeit ganz ohne „frisches“ Taschengeld da, wenn Sie konsequent buchhalten.
Oder: Sein „Schuldenberg“ wird immer größer, bis er irgendwann wahrscheinlich erlassen werden muss, um überhaupt wieder ein System in das Ganze zu bekommen.

Bieten Sie Ihre Hilfe an, wenn ein Sparziel unerreichbar erscheint („Wenn du die eine Hälfte gespart hast, geben wir die andere zum Geburtstag dazu“), lassen Sie es gegen einen kleinen Obolus außer der Reihe im Garten helfen oder sich an der Hausarbeit beteiligen, aber setzen Sie durch (regelmäßige) Taschengeld-„Nachschläge“ keine falschen Zeichen.

Wer sich von klein auf immer sofort alle Wünsche erfüllen konnte oder ganz ohne eigenes Zutun umgehend erfüllt bekam, wird womöglich später Probleme bekommen, wenn das Ausbildungsgehalt mal knapp ist und die erste Wohnung doch eingerichtet werden muss. Und ein Auto her soll. Und auf eine Reise nicht verzichtet werden mag…

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