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Wenn Eltern nur raten können, was im Schulheft steht: Was tun gegen die Sauklaue?

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Beginnen Kinder zu schreiben und zu lesen, ist dies der Anfang eines langen und natürlich ungemein wichtigen Lernprozesses. Denn diese Fähigkeiten braucht jeder immer wieder, ja praktisch tagtäglich im Leben. Egal ob beim Hobby oder im Beruf, ob im Alltag oder während einer Auszeit. Ohne lesen und schreiben zu können wäre vieles ungleich schwieriger. Das Leben unterm Strich weniger spannend, weniger bunt. Und wir alle wären sicherlich deutlich weniger kommunikativ.

Dass schreiben und lesen zu können viele Türen öffnet, das erkennen schon die Kleinsten. Und so kann es manch ein Kind zum Grundschulstart – oder bereits davor – schwerlich erwarten, das Geheimnis dessen zu ergründen. Große Buchstaben, zunächst wackelig wie ehrgeizig aufs Papier gekritzelt, machen den Anfang. Die Freude ist riesig, wenn bald schon der eigene Name, kleine Sätze der Bleistiftmine entspringen. Vom kindlichen Stolz, wenn dies zunehmend souverän gelingt, ganz zu schweigen.

Doch nur auf Freude und Freiwilligkeit der Kleinen kann freilich keine Lehrkraft und kein Elternteil setzen. Vielmehr braucht es kontinuierlich Motivation und Anleitung beim Lesen und Schreiben. Ein System, mit dem alle üben, den Sinn länger werdender Texte zu erfassen. Und andererseits eigene Gedanken und Erlebnisse verständlich für andere zu Papier zu bringen.

Die Handschrift. So individuell wie jeder Mensch

Früh zeigen sich dabei große Unterschiede. Ein Kind schreibt strukturiert, durchdacht, akribisch, leserlich. Bei einem anderen möchte man beim Anblick des ausgefüllten Arbeitsblatts am liebsten die Hände überm Kopf zusammen schlagen. Warum? Weil Buchstaben und Zahlen, mal größer, mal kleiner, mal unvollständig, mal spiegelverkehrt, lustig übers Papier tanzen. Und weil das Kind offenbar der Devise „erst schreiben, dann anders überlegen“ folgte. Das Ergebnis dessen? Zwischen halbwegs leserlichen Worten prangen durchgestrichene Textstellen, die die Gesamtoptik trüben.

Doch wie wichtig ist eigentlich die viel zitierte „Schönschrift“? Wie viel Zeit, Mühe, Nerven sollte man als Eltern investieren, um gemeinsam mit dem Nachwuchs an dessen Schriftbild zu feilen? Und was kann helfen, damit das Kind selbst einen gewissen Ehrgeiz in dieser Hinsicht entwickelt?

Eigene Ansprüche an die „Schönschrift“ sollten kein Maßstab sein!

Man selbst legt großen Wert auf eine ansehnliche Handschrift? Stets leserlich, dazu ansprechend für den Leser zu schreiben ist einem eine Herzensangelegenheit? Dann ist das eine wunderbare Sache. Aber nicht unbedingt eine, die man auch vom eigenen Kind erwarten darf!

Schönheit liegt – wie man weiß – schließlich im Auge des Betrachters. Und besonders, was das Thema „Handschrift“ betrifft, gegen die Meinungen sicherlich weit auseinander. Denn was bedeutet schon „schön“? Im wahrsten Sinne zu schreiben wie gedruckt? Oder nicht vielmehr, hier und da individuelle kleine Schnörkel und Verzierungen anzubringen, sodass eine spannende, lebendige Schrift entsteht? Eine, die den eigenen Charakter unterstreicht und Individualität betont.

Tatsache ist außerdem: Die Schrift verändert sich praktisch ein Leben lang. Dabei bietet sie viel Raum für Experimente und fortlaufende Veränderungen. Und so einzigartig wie jede Handschrift ist natürlich auch der zugehörige Mensch! Jeder von uns setzt schließlich eigene Prioritäten, wo hinein er gerne viel Aufwand und Zeit investiert. Und sicherlich hat auch das eigene Kind Hobbys und Lieblingsbeschäftigungen, in die regelmäßig sein Herzblut fließt. Bei denen es keine Mühen scheut, hohe Ansprüche ans gute Gelingen hat und die Messlatte stets höher legt.

Die Handschrift gehört derzeit (noch) nicht dazu? Dann sollte man sich auf den Mindestanspruch „leserlich“ einigen. Das Wichtigste ist schließlich, dass das Kind zunächst einmal gut mit seiner Schrift durchs Leben kommt. Dass ihm das Schreiben flüssig und mühelos von der Hand geht. Und dass jede Lehrkraft ebenso anstrengungsfrei das Geschriebene entziffern kann.

Die „Kür“, der Ehrgeiz, dass die Schrift auch höheren Ansprüchen an Ästhetik genügt, kommt vielleicht später. Interessen ändern sich schließlich und so entwickelt auch mancher anfänglicher „Nicht-Schönschreiber“ womöglich später ungeahnte Ambitionen diesbezüglich.

Viel wichtiger ist: Stimmt die Stifthaltung?

Vermutlich schreiben Kinder heute weniger denn je mit der Hand. Häufig erfordern Arbeitsblätter lediglich, kurze Stichpunkte zu machen, anzukreuzen oder Elemente miteinander zu verbinden. Selbst in der Grundschule ist es zudem teils schon erlaubt, Referate und Hausarbeiten am Computer zu tippen.

Den positiven Effekt davon sollte man zwar keineswegs außer Acht lassen. Die Rechtschreibkorrektur beispielsweise ist durchaus hilfreich, wenn es darum geht, kleine Fehler beim Schreiben aufzuzeigen. Mit dem Computer umgehen zu können, ist heute quasi Pflicht. Und der sichere Umgang mit der Tastatur ist durchaus eine wunderbare und erstrebenswerte Fähigkeit. Aber: Gänzlich kann das Tippen die Handschrift nicht ersetzen. Das regelmäßige, häufige Schreiben mit Bleistift oder Füller sollte daher nicht zu kurz kommen. Und die Wahl des Stifts ist dabei mitentscheidend dafür, wie viel Spaß das Schreiben am Ende macht.

Jeder kennt die schließlich Frustration, wenn ein Füllhalter wahlweise kleckst oder gar keine Tinte von sich geben will. Wenn der Kuli nur unter starkem Druck halbwegs satte Striche auf dem Papier hinterlässt. Oder man beim Bleistift mehr mit Anspitzen als mit Schreiben beschäftigt ist, weil die Mine nicht von guter Qualität ist.

Achten Sie daher immer, aber besonders am Anfang auf hochwertige, verlässliche Lernbleistifte. Damit diese gut in der Hand liegen, gibt es Aufsätze, die man unten über den Stift stülpen kann. Diese erleichtern es kleinen Fingern, die richtige Position und sicheren Halt zu finden.

Später sollte man nicht am ersten Füller sparen und diesen nicht „nebenbei“ ohne das Kind kaufen. Denn mit hoher Wahrscheinlich wird es dann nicht bei diesem einem Füller bleiben. Und bis dahin wird das Kind mit dem „falschen“ Füller mehr Frust als Freude am Schreiben erleben.

Auch ein sinnvoll eingerichteter Arbeitsplatz kann seinen Beitrag zur Handschrift leisten

Um stressfrei auch längere Zeit am Schreibtisch arbeiten zu können, hat jeder Erwachsene seine Kriterien. Der eine braucht eine absolut freie Fläche und vollkommene Ordnung. Eben „optische Ruhe“ vor sich. Der andere hat kein Problem damit, nur das Nötigste beiseite zu räumen. Und danach auf einem Bruchteil der eigentlichen Fläche Produktives zu leisten.

Auch hierbei sollte gelten: Machen Sie Ihre Maßstäbe nicht zu denen für Ihr Kind. Probieren Sie gerne verschiedene Varianten aus, bieten Sie Hilfe beim Aufräumen an. Aber lassen Sie den Nachwuchs dann seinen eigenen Weg zu einem ansprechenden Arbeitsplatz finden.

Wichtig in aber jedem Fall: Entspanntes Arbeiten ohne Verbiegen und Verdrehen, Recken und Strecken muss möglich sein! Daher muss die Höhe der Schreibtischplatte stimmen und auch der Schreibtischstuhl muss zu Kind und Schreibtisch passen. Gute Gründe dafür, diesen Teil der Kinderzimmereinrichtung nicht ohne dessen Bewohner zu kaufen.

Zu guter Letzt sind auch der Standort und die Ausrichtung des Schreibtischs von Bedeutung. Der Lichteinfall sollte so sein, dass kein Schattenwurf beim Schreiben nervt. Am Fenster sollte das Tageslicht von der richtigen Seite kommen. Und gleichzeitig darf die Sonne nicht blenden.

Und wie motiviert man den Nachwuchs zur ordentlicheren Handschrift, wenn diese einfach gar nicht „geht“?

„Deine Handschrift ist eine Katastrophe!“
„Schreib das noch mal, das ist doch nicht schön!“

Sätze, die Eltern sicherlich oft sagen. Aber die doch nun wirklich niemand gerne hören möchte, oder? Denn mal ehrlich, wie würden wir reagieren, wenn wir ein Bild malen und jemand sagt ungefragt: „Finde ich hässlich!“? Enttäuscht vermutlich. Schließlich stecken Zeit und Mühe und auch ein gewisses Maß an Herzblut in diesem Werk. Zumindest überrascht jedenfalls, denn wir alle erhoffen oder erwarten doch eher Lob und Anerkennung als Kritik. Und wenn schon Kritik, dann bitte konstruktiv! „Schön!“ „Hässlich!“ – da hat das Gegenüber vermutlich eine Ahnung, was es stört. Greifbare Kritik sieht aber anders aus.

Eltern sind ohnehin nicht gern gehörte Berater. Kritik von dieser Seite in schulischen Dingen perlt am eigenen Nachwuchs gerne ab. Und vielen Kindern dürfte es ebenso egal sein, wenn der Lehrer mittels Rotstift um eine leserlichere Handschrift bittet.

Bei Lob und Komplimenten hingegen, da spitzt das Kind sicherlich entzückt die Ohren. Und liest anerkennende Worte unter der Klassenarbeit mehr als einmal. Daher ist es immer gut, Engagement zu loben. In der Schule sollte die Lehrkraft das übernehmen. Sich idealerweise Zeit nehmen, ein paar lobende Worte unter Geschriebenes zu setzen, wenn das Kind sich sichtbar Mühe gegeben hat. Und zu Hause? Da dürfen Eltern auch jeden kleinen Schritt in Richtung besserer Leserlichkeit mal überschwänglich loben!

Was überdies eine schöne Motivation sein dürfte? Anderen eine Freude bereiten zu können mit einigen handgeschriebenen Zeilen! Dabei muss es selbstredend nicht der seitenlange Brief an die Oma sein. Ein hübsches Bild in die Mitte, einige Zeilen drumherum, das schenkt kleine Glücksmomente, ohne für das Kind in Arbeit auszuarten.

Viel Geduld und viel Übung in kleinen „Häppchen“

Schulalltag bedeutet für Familien viele Termine, viele Herausforderungen. Die Wochenenden sind oft prall gefüllt mit Veranstaltungen vom Fußballturnier bis zum Kindergeburtstag. Die Nachmittage sind kurz, wenn der Nachwuchs nach dem Unterricht in der Schule in die Betreuung geht. Daneben stehen Klassenarbeiten und Tests an, für die die Kinder lernen müssen. Und ein wenig „Luft“ zwischendurch sollen sie selbstredend auch haben.

Dazwischen noch Arbeitsblätter und seitenweise Hefte zur Verbesserung der Handschrift erledigen zu wollen? Das macht keinen Spaß und bedeutet Stress für alle Beteiligten. Und das muss auch nicht sein.

Wichtig ist jedoch, stets akut die Probleme anzugehen, die dem Lesenden Probleme bereiten. Oft „schlampen“ Kinder bei Buchstaben wie „m“, „n“ und „r“. Da fehlen Schwünge und Bögen. Und schon kann der Lehrer nicht mehr erkennen, ob ein Wort den Regeln der Rechtschreibung entspricht. Oder gar, welches der Schüler meinte.

Ein anderes Problem: Die Buchstaben purzeln durcheinander. Groß und klein, munter gemischt. Und die Linien als Anhaltspunkt nimmt das Kind anscheinend nicht wirklich wahr?

In beiden Fällen ist es nicht verkehrt, in kleinen „Übungsportionen“ noch mal bei „Null“ anzufangen. Auch wenn ein Fünftklässler sparsam gucken wird. Lernhefte für Schulanfänger können beitragen, noch mal grundlegende Missverständnisse aus der Welt zu räumen. Nicht von heute auf morgen, aber auf Dauer sicherlich von Erfolg gekrönt.

Eine schöne Schrift = eine Kunst für sich

Kalligraphie heißt sie, die Kunst des schönen Schreibens. Und achtet man bewusst drauf, ist es wirklich beachtlich, wie wunderschön Geschriebenes sein kann.

Ob mit der Hand zu Papier gebracht oder gedruckt: Häufig lässt die Ausgestaltung des Geschriebenen auf dessen Inhalt schließen. Eine prachtvolle, majestätische Überschrift ist eines wichtigen Dokumentes würdig. Eine verspielte Handschrift kommt gerne dann zum Einsatz, wenn Romantik im Spiel ist. Beispielsweise auf Einladungskarten zur Hochzeit oder auch in Geburtsanzeigen. Und besucht man öfters Restaurants, ähneln sich dort erstaunlich oft die Schriftarten auf schwarzen Tagesangebot-Kreidetafeln.

Vielleicht hat das Kind auch Lust, etwas Besonderes mal anders zu Papier zu bringen? Nicht die Hausaufgaben, bei denen dies weder effektiv ist noch angemessen erscheint. Aber vielleicht auf einer Einladungs- oder Grußkarte?

Ein Buch oder Malblock mit schönen Schriftarten kann dafür eine tolle Inspiration sein. Besonders natürlich für alle Kinder, die ohnehin gerne malen, zeichnen und einen Sinn für Ästhetik haben. Dabei muss es gar nicht darum gehen, eine Schriftart eins zu eins umzusetzen. Erstrebenswert ist vielmehr, feinmotorisch im Training zu bleiben. Damit die Hand nicht irgendwann ermüdet und schmerzt beim Zeichnen und Schreiben. Und Kinder in Folge dessen bei langen Schulaufsätzen zu „schludern“ beginnen.

Für dieses Training bietet sich das Experimentieren mit Schriftarten – eine Mischung aus Zeichnen und Schreiben – geradezu an. Und manch kleines Kunstwerk zum Freude verschenken entsteht vielleicht ganz nebenbei.

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