Damit die Wahl nicht zur Qual wird: Kriterien bei der Entscheidung über die weiterführende Schule

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Eltern, deren Kinder gerade die letzte Klasse der Grundschule besuchen, haben sich vielleicht bereits entschieden, auf welche Schule ihr Kind nach den Sommerferien gehen wird, oder die Wahl der weiterführenden Schule steht in Kürze an.

Welche Schulform soll es sein?
Bevor einzelne Schulen besichtigt, erkundet, in die nähere Auswahl genommen werden, gilt es häufig zunächst eine generelle Entscheidung zu treffen: Welche der Schulformen ist die richtige für mein Kind?
Zum Glück stehen Eltern mit dieser Frage nicht alleine da. Beratungsgespräche speziell zu diesem Thema mit den Grundschullehrer(inne)n, die das Kind jahrelang in seiner Entwicklung begleitet haben und beobachten konnten, helfen meist, schließlich mit gutem Gefühl einen Weg einschlagen zu können.

7 wichtige Fragen, die bei der Wahl der weiterführenden Schule von Bedeutung sind

1. Wie gestaltet sich der Schulweg?
Diese Frage sollte keineswegs vernachlässigt werden, schließlich werden die Kinder diesen Weg in den kommenden Jahren (mindestens) zwei Mal täglich zurücklegen und sollen sich dabei nicht unwohl, überfordert oder permanent gestresst fühlen!

Wenn die künftige Schule nah am eigenen Zuhause liegt, ist dies in der Regel von Vorteil; aber auch weiter entfernte Schulen müssen nicht zwangsläufig längere Fahrzeiten oder strapaziösere Wege bedeuten, wenn Bus- oder Bahnanbindungen schnell erreichbar, gut und regelmäßig sind.

Zu Fuß zu gehen oder mit Rad zu fahren sind sicherlich die gesündesten und sportlichsten Alternativen, um sich morgens und (nach)mittags auf den Weg zu machen: „Gut gelüftet“ kommt das Kind morgens wach in der Schule an, später wieder zu Hause, und hat sich bereits bewegt.
Sehr wichtig in Zeiten, in denen aufgrund von Hausaufgaben und Lernen häufig wenig Zeit für ausgiebiges Toben (das mit zunehmendem Alter ohnehin weniger wird…) bleibt.
Mit Bus und Bahn ist das Kind weniger den Einflüssen des Wetters ausgesetzt, dafür können volle, verspätete, gar hin und wieder ausfallende Verkehrsmittel eine Belastung darstellen.

Stehen verschiedene Schulen mit diesen Alternativen zu Wahl, sollte man es auf einen Versuch – möglichst authentisch zu Schulanfangs- und -endzeiten ankommen lassen:
Wie lang ist die effektive Fahrzeit mit Bus und Bahn? Herrscht großes Gedränge oder ist das Fahren eher entspannt?
Wie stellen sich Radwege früh morgens bei Eis und Schneefall dar, wie steht es um ihre Beleuchtung in der Dunkelheit?
Wichtig auch: Wie hoch sind die Fahrkosten mit Bus oder Bahn?
Und: Welche Alternativen, um zur Schule und zurück zu gelangen, hat ein „Radfahr-Kind“, wenn das Wetter das Radeln tatsächlich einmal nicht zulässt?

2. Besteht die Möglichkeit, das Kind auch außerhalb der Unterrichtszeiten in der Schule betreuen zu lassen?
Sind beide Eltern berufstätig, ist es häufig eine große Entlastung, das Kind auch nach Unterrichtsschluss gut betreut zu wissen.
Toll, wenn den Kindern dabei ein schmackhaftes Mittagessen geboten wird, wenn es in Arbeitsgemeinschaften neue Interessen entdecken kann, wenn die Hausaufgaben betreut bereits erledigt wurden, wenn es schließlich den Heimweg antritt und/oder wenn in Fördergruppen besondere Begabungen unterstützt bzw. Unterrichtsstoff noch einmal vertieft werden kann, sollte in einzelnen Fächern einmal Nachholbedarf herrschen.
Dies sind einige der Dinge, über die sich bei einem „Tag der offenen Tür“ umfassend informiert werden und derer bezüglich sich auch die schuleigene Homepage als sehr aufschlussreich erweisen kann.

3. Welche Schwerpunkte gibt es?

Manch eine Schule verfügt über besonders vielfältige Angebote im Bereich der Naturwissenschaften, manch eine legt den Schwerpunkt auf (Alt)Sprachen, in wieder einer anderen werden vielleicht besonders sportliche Schüler zusätzlich gefördert.
Vieles über dies betreffende Arbeitsgemeinschaften, Wettbewerbe, Zusatzangebote aber auch schlichtweg den Umfang, in dem einzelne Fächer in den verschiedenen Jahrgangsstufen unterrichtet werden, ist ebenfalls vorab in den Internetauftritten vieler Schulen in Erfahrung zu bringen.

4. Wie lauten die Erfahrungen anderer Schüler und deren Eltern?
Eltern, die positive, aber auch negative Erfahrung mit den Schulen ihrer Kinder sammeln konnten, geben diese in der Regel gerne weiter.

Noch aufschlussreicher kann jedoch das sein, was die Kinder selbst über ihre weiterführende Schule zu berichten haben, erzählen sie schließlich in der Regel frei heraus, was sie an ihrer Schule so richtig klasse finden und was bei ihnen weniger gut ankommt.

Oft handelt es sich dabei – aus elterlicher Sicht oft nebensächliche, für Kinder so bedeutsame – Kleinigkeiten wie das Snack-Angebot in der Mensa, die Sauberkeit der Turnhallen-Umkleiden oder der abwechslungsreich gestaltete Schulhof mit den tollen Spielmöglichkeiten, die dem eigenen Noch-Grundschüler ein kindgerechtes Gesamtbild seiner vielleicht zukünftigen Schule vermitteln können.

5. Wer geht mit?
Für die einen ist es elementar wichtig und glasklar: „Neue Schule? Nur zusammen mit dem besten Freund oder der besten Freundin!“.
Keine Frage, dies hat neben dem guten Gefühl fürs Kind, zunächst in der neuen Klasse nicht „allein auf weiter Flur“ zu stehen, auch viele praktische Aspekte für die ganze Familie: Gingen die Kinder bislang gemeinsam in die Grundschule, können sie künftig vielleicht auch gemeinsam mit Bus, Bahn oder Fahrrad fahren und sich bei Bedarf gegenseitig die Hausaufgaben mitbringen.

Nicht nur zwischen den Kindern, auch zwischen den Eltern bestehende Freundschaften bleiben so intensiver, können bei gemeinsamen Klassenfesten und -veranstaltungen gepflegt werden, Fahrgemeinschaften bieten sich an etc. .

Entscheiden sich Kind und Eltern für eine Schule, die sonst kein Kind aus der Grundschulklasse besuchen wird, ist dies in der Regel aber auch überhaupt kein „Beinbruch“: Neue Freundschaften kommen (und gehen) in diesem Alter noch sehr schnell.
Zudem besteht natürlich die Chance, dass das Kind in der neuen Schule unverhofft (aus der Parallelklasse, von Hobbys, aus dem Ort…) bekannte Gesichter trifft.

6. Wie ist der erste, so wichtige Eindruck?
Der erste Anblick beim Betreten des Gebäudes – willkommen heißend oder gar ein wenig bedrückend?
Der Geruch auf den Fluren – gänzlich fremd oder seltsam vertraut ?
Die vielen Geräusche – einladend fröhlich oder unangenehm wirr und laut?

Oft spielen Gefühle eine große Rolle – und dieses Bauchgefühl sollte nicht unterstützt werden! Schließlich geht es darum, dass sich das Kind an diesem Ort viele Stunden täglich über Jahre rundum wohl fühlen soll.

Viele Schulen bieten zahlreiche Gelegenheit und öffnen ihre Türen gerne weit für interessierte Familien.
Am „Tag der Offenen Tür”, bei Schulfesten oder anderen Schulveranstaltungen besteht ausreichend Gelegenheit, Menschen kennen zu lernen, Räumlichkeiten zu erkunden, in die Vielfalt der Angebote hinein zu schnuppern und einen gefestigten ersten Eindruck mit nach Hause zu nehmen, der bei der Entscheidung für oder gegen eine Schule letztlich eine sehr große Rolle spielen kann.

7. Wie sieht die Alternative aus?
Für Eltern und Kindern ist es ein herber Rückschlag: Wochenlang wurde gegrübelt und abgewogen, welche Schule es nun sein soll, und sich schließlich voller Überzeugung und Vorfreude an einer Schule angemeldet – und dann liegt eine Absage in der Post, weil die zahlreichen Anmeldungen die Anzahl der freien Plätze überstiegen haben.

Bei manchen Schulen kann es von Anfang an unklar sein, ob das Kind dort aufgenommen werden wird oder nicht.
Ist dies der Fall, ist es wichtig, nicht nur darauf zu hoffen und zu vertrauen, dass es „schon klappen wird“, sondern sich auch nach einer adäquaten Schule umzusehen, die dann nicht von Vornherein als „2. Wahl“ gesehen werden sollte, sondern als wirklich gute Alternative verstanden wird.

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