Eine außergewöhnliche Geschichte, die man ich nicht entgehen lassen sollte: „Grimpel“ von Clement Freud

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Wer einen Sinn für so einen ganz eigenen, feinen, teils skurrilen Humor hat, wer ein Kinderbuch sucht, das so ganz anders ist als die meisten Kinderbücher, die man kennt, der sollte es mal mit „Grimpel“ versuchen, einem außergewöhnlichen Kinderroman von Autor Clement Freud.
Ein echter Kinderbuchklassiker übrigens, der bereits in den 1960ern in der englischen Originalausgabe erschienen ist und in seiner zeitlosen Art auch heute noch zum Lachen, aber auch zum Nachdenken anregt.

Zum Inhalt von „Grimpel“ von Autor Clement Freud:

Dass in Grimpels Familie manche Dinge anders laufen als in gewöhnlichen Familien, merkt man schon an der Wahl des Vornamens, den die Eltern einst für ihren Sohn ausgewählt haben.
Seitdem sind einige Jahre ins Land gezogen – „ungefähr zehn Jahre alt“ ist Grimpel nun (Geburtstage werden bei Grimpel daheim nach Lust und Laune und nicht etwa nach dem Kalender gefeiert) und der Leser lernt ihn kennen als einen Jungen allein zu Haus.
Seine Eltern sind für eine Woche nach Peru gereist. Von dort aus schicken sie täglich kurze Botschaften per Telegramm und scheinen blind darauf zu vertrauen, dass ihr Sohn, ausgestattet mit kleinen Hilfestellungen per Notizzettel, die Tage bis zu ihrer Rückkehr ganz prächtig überstehen wird… .

Zum Glück scheint Grimpel nicht der ängstliche Typ zu sein, denn dann wäre einem als Leser vor Sorge um den Jungen, der außerhalb der Schule kaum einen Menschen antrifft und sich einige Tage allein daheim versorgen muss, das Lesevergnügen wohl von vornherein getrübt.

Nein, Grimpel ist nicht ängstlich. Aber auch nicht der Typ „kühner Superheld“.
Mit wachem, bebrilltem Blick macht sich der Junge unbekümmert auf in das am Ende eigentlich ganz unspektakuläre Abenteuer, eine Woche lang Schulalltag und Abendessen allein zu organisieren.

Was er dabei erlebt, ist immer unerwartet, wirkt teils verschroben und eigentlich unglaublich, wird aber wiederum so detailliert geschildert und so sachlich erzählt, dass man doch nie Zweifel daran aufkommen lässt, dass alles genauso ist und geschieht:

Grimpel trinkt gern Kaffee, hat eine Tante mit Jungennamen, kämpft mit widerspenstigen Kokosnussschalen und schafft es, auch als langsamster Schwimmer in das Finale der Schwimmmeisterschaft einzuziehen. Er schreibt kurze Gedichte mit einer solch eigenartigen Faszination, dass man sie gleich noch einmal liest, verfasst Briefe und Telegramme, die man treffender nicht hätte formulieren können.
Er nimmt die Dinge, wie sie sind, macht mit stoischer Gelassenheit aus allem das Beste, geht alles mit Witz und Einfallsreichtum an und scheint nie wirklich empört über das Verhalten seiner Eltern zu sein, die sich ohne ihn auf Reisen begeben haben.

Für Kinder ist die Geschichte eine wahrlich gelungene Mischung aus Verrücktem, Lustigem, aus Spannung und ein bisschen Abenteuer, die jeden Anflug von Mitleid für oder Sorge um den kleinen Grimpel umgehend immer wieder beiseite zu wischen vermag.

Erwachsene Leser stimmt die Geschichte auch nachdenklich: Handeln die Eltern nicht unverantwortlich? Oder könnten sie gar ein Stück weit Vorbild sein, weil sie ihrem Sohn blind vertrauen, ihm so viel Verantwortung für sich selbst zugestehen und ihn augenscheinlich doch gut erzogen haben müssen, schließlich macht Grimpel einen durch und durch vernünftigen, selbstständigen Eindruck, der für viel Vertrauen in seine Umwelt und seine eigenen Fähigkeiten spricht.
Zudem ist er ausgesprochen höflich, adrett und gepflegt, geht gewissenhaft in die Schule und abends zeitig zu Bett, macht sich viele Gedanken um alles Mögliche und nutzt den Tag für vernünftige Dinge.
Ist dies wohl das Resultat seiner guten Erziehung, die ihn zu einem wahrlich vorbildlichen Jungen hat werden lassen? Oder ist es Grimpels ganz eigene Strategie, Ordnung in das sonst augenscheinlich ungeordnete Leben seiner Familie zu bringen, weil er sich die Normalität daheim wünscht, die seinen chaotisch veranlagten Eltern scheinbar fremd ist?
Das möge jeder Leser für sich interpretieren.

Fazit: Die Geschichte von „Grimpel“ ist höchst amüsant, stellenweise einfach kurios und bis zum Schluss spannend und unerwartet.
Bis zum Ende bleibt es ein Mix aus Hoffen und Bangen, ob Grimpel außerhalb der Schule doch noch ein Erwachsener über den Weg laufen wird und ob seine Eltern tatsächlich wie versprochen am letzten Tag ihrer geplanten Reise zurück kehren werden.
Besonders schön kommt der Witz der Geschichte übrigens beim Vorlesen zur Geltung.

Für den kleinen Preis von 6,95 € enthält das Taschenbuch „Grimpel“ (Fischer Verlage, ISBN 978-3596807680) von Clement Freud die beiden Geschichten „Grimpel“ und „Grimpel superhöchstbestens“ (ebenfalls ganz wunderbar: Grimpel organisiert das Weihnachtsfest für seine Familie) und Grimpels Rezepte zum Nachkochen und -backen auf rund 144 Seiten in einem Band. Die Altersempfehlung 8+ ist gut gewählt, denn für Kleinere ist der sehr spezielle und tiefgründige Humor sicher noch nicht immer zu verstehen.

Ein tolles Geschenk zum Kindergeburtstag und für sich selbst!

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