Eine rührende Geschichte, die zu Herzen geht: „Man nennt mich Ameisenbär“ von Christine Nöstlinger

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Maria-Theresia, genannt Thesi, ist 13 Jahre alt und hat es wahrlich nicht leicht: nicht nur ihre übergroße Nase und ihr fliehendes Kinn bereiten ihr – neben anderen kleinen Schönheitsfehlern – Kummer.
Dass Schwester und Mutter umso hübscher sind, lässt sie sich erst recht als das hässliches Entlein der Familie fühlen und obendrein ist Thesi außerhalb der eigenen vier Wände als Streberin verschrien, die stets durch nichts als gute Noten zu glänzen vermag. Eine Außenseiterin, die keine Freunde in ihrer Klasse hat und dort aufgrund ihres Profils wenig charmant „der Ameisenbär“ genannt wird.
Nur ein Wunder scheint ihr aus ihrer misslichen Lage heraus helfen zu können, aber das lässt auf sich warten.
Immerhin gelingt es Thesi über lange Zeit, ihren Brieffreund im Unklaren über ihr Äußeres zu lassen, doch dann bricht plötzlich eine Katastrophe nach der anderen über sie herein und die Zeit für Thesi scheint unweigerlich gekommen, ihrem Spiegelbild ins Gesicht zu sehen.
Zum Glück findet sie dafür unverhofften Beistand … .

„Man nennt mich Ameisenbär“ ist eine rührende und tiefgründige Geschichte, lebensnah, zeitlos und voller Herzenswärme.
Von der ersten Seite an besticht sie durch die unspektakuläre, herrlich ruhige Erzählweise, die viel Platz und Zeit lässt zum Mitfühlen, Mitleiden und Innehalten.

Facettenreich und detailliert werden Thesis Empfindungen und die Erlebnisse mit ihren Mitmenschen geschildert, die von fies bis wohlgemeint reichen: nicht genug damit, dass ihre Mitschüler sie unfreundlich behandeln oder schlichtweg ignorieren, auch ihre Mutter erweist ihr einen Bärendienst damit, ihrem Aussehen partout auf die Sprünge helfen zu wollen.

Und auch sehr schwache Tröst-Versuche durch sinngemäße Kommentare wie „Schönheit ist doch nicht alles im Leben“ helfen ihr nun auch nicht wirklich weiter.
Dass dies jedoch eine wahre, wenn auch manchmal sehr schwierig zu erlangende Erkenntnis ist, vermag dieses Buch altersgerecht und ohne moralisch erhobenen Zeigefinger zu vermitteln. Und dabei kommt natürlich auch die Fröhlichkeit nicht zu kurz und es gibt viele Stellen zum schmunzeln!

Thesi jedenfalls gelingt es schließlich, die ersten Zweifel an sich abzulegen und mit sich zusehends ins Reine zu kommen.
Dank einer alten Dame, die in ihrem Leben einiges erlebt hat und Gelassenheit und Zufriedenheit sich selbst gegenüber ausstrahlt, auch ohne eine „wahre Schönheit“ (gewesen) zu sein!

Ein toller Mutmacher für alle Kinder, die manchmal an ihrem Äußeren zweifeln und neidvoll auf die blicken, die vermeintlich schöner sind: Wahre Schönheit lässt sich eben nicht an einer wohlgeformten Nase festmachen!
Für diese und alle anderen Leseratten ab 12 Jahren ist „Man nennt mich Ameisenbär“ eine wunderbar kurzweilige Geschichte, die auf über 180 Taschenbuchseiten viele Stunden Lesevergnügen verspricht.

Und nicht nur Kindern und Jugendlichen, auch für Erwachsene ist das Buch absolut lesenswert!
Auf der Reise zurück in das Alter irgendwo zwischen Kindsein und Pubertät kommt man sicher nicht umher, sich hier und dort selbst in dieser Phase wieder zu erkennen und noch einmal in sich hinein zu horchen, wie das damals war, als Selbstzweifel sich nicht so einfach beiseite schieben lassen wollten.
Ein guter Ausgangspunkt, um die eigenen Kinder samt ihrer Sichtweisen in diesem Alter ein Stück weit besser verstehen zu lernen.

„Man nennt mich Ameisenbär“ ist erhältlich als Taschenbuch aus dem Arena Verlag und empfohlen für Kinder ab 12 Jahren.

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