Erstausstattung für Zwillinge: Was „muss“ doppelt vorhanden sein, was genügt auch einmal?

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Lautet die frohe Botschaft bei der Ultraschalluntersuchung „!“, fahren die Gefühle zunächst einmal Achterbahn.
Doppelte Freude einerseits, größere Angst vor der womöglich doppelten Belastung andererseits.

Schon bald aber ist die erste Überraschung überwunden, die nimmt ihren Lauf. Und der Gedanke „Bald sind wir zwei mehr“ gewinnt an Vertrautheit.
Der Bacuh wächst. Und die Planung konzentriert sich ebenso zunehmend auf die praktischen Aspekte des Alltags mit zwei Säuglingen.

Die eine oder andere Neuanschaffung wird nötig sein. Selbst dann, wenn schon „Einzelkinder“ zur Familie gehören. Und die Kosten dafür gilt es sorgfältig zu kalkulieren. Vor allem, wenn mit dem doppelten Familienzuwachs außerdem eine größere Wohnung oder ein geräumigeres Auto notwendig werden.

Ob ein Baby oder gleich mehrere: Die erhältlichen Listen für die Babygrundausstattung sind lang.
Vieles darauf ist zweifellos sinnvoll, anderes verzichtbar. Welche Anschaffung in welche dieser beiden Kategorien gehört, muss letzten Endes jedes Elternpaar für sich entscheiden. Und manchmal weiß man auch erst hinterher, worauf man gut und gerne hätte verzichten können.
Eine ganz subjektive Empfehlung aus Muttersicht gab es natürlich auch hier bei Abc-Kinder schon einmal.

Bei Zwillingen liegen die Dinge – zumindest hier und da – wieder anders.
Vieles kann man parallel nutzen. Und so bedeutet „doppelte Kinderzahl“ nicht zwangsläufig doppelte Kosten!

Im folgenden einiges rund um die von Zwillingen:

(Fast) wie für einen „Einling“

Still- und Fläschchenausstattung

Wer seinen Zwillingen von Anfang an das Fläschchen geben möchte, braucht nicht den Kauf doppelt so vieler Flaschen und Sauger einzukalkulieren, wie man sie für ein einzelnes Baby anschaffen würde (Empfehlungen dazu: „Rund ums Stillen und Fläschchenfüttern“).

Die Menge gebrauchter Flaschen und Sauger nach einer Fläschchenfütterung ist bei Zwillingen doppelt so groß wie bei einem Baby.  Man spült und desinfiziert dadurch ohnehin häufiger, so dass die Flaschen und Sauger schneller wieder “ in Umlauf“ kommen.
Und sollte sich tatsächlich der Bedarf an weiteren Fläschchen oder Saugern ergeben? Dann ist die nächste Drogerie in der Regel schnell zu erreichen. Und dort kann man Fehlendes rasch ergänzen.

Wer stillen möchte, der braucht „für Notfälle“ nicht noch Flaschen und Milchpulver im Hintergrund. Denn auch bei Zwillingen ist das (Voll)Stillen über längere Zeit prinzipiell möglich!
Sollte sich doch die Notwendigkeit des Zufütterns mit Milchpulver ergeben, gilt auch hier: Eine Fläschchenausstattung ist schnell besorgt. Und dann muss es auch nicht die doppelte Menge verglichen mit einem Baby sein!

Das Stillkissen

Als nützlich im Alltag kann sich in jedem Fall ein Stillkissen erweisen.
Vor allem bei den Mahlzeiten.
Manche Zwillingspaare laufen praktisch „synchron“. Sie melden immer gleichzeitig ihre leere Mägen an. Bei anderen hat man in den ersten Wochen hingegen das Gefühl: „Einer hat immer Hunger“.
Möchte man beide Kinder parallel stillen? Dann stellt sich die Frage nach dem Nutzen eines speziellen Zwillingsstillkissens.

Ob dies nötig ist oder nicht, ist letzten Endes eine rein persönliche Entscheidung unter praktischen und emotionalen Gesichtspunkten. Parallel zwei Kinder zu stillen ist einfach nicht „jederfraus“ Sache. Und kann zudem (anfangs) eine kniffelige Angelegenheit sein. Denn man hat eben doch nur zwei Hände, um die Kinder in ihrer Position zu stützen.

Ein „normales“ Stillkissen ist vorhanden? Dann ist dies als Alternative zum Zwillingsstillkissen sicher erst einmal einen Versuch wert. Ansonsten ist es auch eine schöne Sache, die Kinder nacheinander zu versorgen, wenn es die Zeit erlaubt. Im Alltag laufen Zwillinge ohnehin gern als unzertrennliches „Doppelpack“. Da sind diese wenigen Minuten, in denen man nur einem Kind die volle Aufmerksamkeit schenkt, eine wichtige und gute Sache. Was natürlich nicht bedeuten muss, dass andere Kind nicht ganz nah dabei sein kann!

Der erste Schlafplatz

Einen Babyschlafsack können sich auch Zwillinge nicht teilen – davon müssen zwei her – wohl aber die (ausreichend große) Wiege oder das erste Babybettchen. Was monatelang hauteng zusammen gehörte, fühlt sich auch nach der Geburt oft noch zusammen am wohlsten.
Voraussetzungen: Beide genießen die Nähe, der Platz reicht aus, den Babys wird es nicht zu warm. Und sie stören sich nicht gegenseitig im Schlaf.

Im Kinder- und Badezimmer

Dinge wie Wickelkommode, Windeleimer und Krabbeldecke braucht man natürlich nur einmal zu kaufen.

Und auch in puncto benötigt man praktisch nichts doppelt außer der ersten Zahnbürste. Ob Waschlappen (Empfehlung: 8-10 Stück) oder Badetücher (4-6 Stück), Wundcreme oder Babynagelschere. Alles kann man für zwei Babys benutzen. Und natürlich auch die Babybadewanne.
Allein gelingt es einem anfangs ohnehin nur, die Babys nacheinander zu baden. Und ab einer gewissen Größe, wenn die Kinder sicher sitzen können, werden sie mehr Vergnügen in der großen Wanne haben.

Kleidung: Wie viel…

Empfehlungen für die Anzahl der Kleidungsstücke zu geben, ist für den Einzelfall natürlich schwierig.

Nicht verkehrt sind für den Anfang jeweils in Größe 56 und 62: 8 Babybodys (Kurzarm), 8 Strampler mit Fuß, 8 Paar dicke Socken zum Darüberstülpen, genauso viele dünne Baumwollshirts (jeweils Kurz- und Langarm), 4 – 6 Schlafanzüge sowie für jedes Kind eine Mütze und eine zur Jahreszeit passende Jacke.

Außerdem eventuell einen Winteroverall mit integrierten Handschuhen pro Kind. Plus Lammfellschühchen und Wintermütze, wenn die Zwillinge in der kalten Jahreszeit zur Welt kommen.

Damit das An- und Umziehen schnell und Nerven schonend gelingt? Dafür sollte die Kleidung in erster Linie funktional sein. Sie sollte große Öffnungen zum schnellen Hineinschlüpfen haben, praktische Verschlüsse wie Druckknöpfe. Oder bei Hosen gleich Gummizüge am Bund, die Reißverschlüsse überflüssig machen.

Die benötigte Menge hängt natürlich von der Familiensituation, von den Babys selbst und anderen Faktoren ab. Je mehr Personen im Haushalt leben, desto schneller wird naturgemäß die Waschmaschine voll.
Die Zwillinge sind bereits das dritte, vierte, fünfte… Kind der Familie? Dann läuft sie vermutlich so oft, dass die Sachen schnell wieder gewaschen zur Verfügung stehen. Und man entsprechend recht wenig von allem benötigt.
Vielleicht kommt man mit 4 oder 6 T-Shirts aus, wenn dieser in der kalten Jahreszeit unterm Pullover selten schmutzig werden?
In warmen Sommern bedarf es eventuell weniger Schlafanzüge. Dann können Babys mitunter in warmen Nächten nur in Body und T-Shirt in ihren Schlafsäcken schlafen. Kinder, die zum Spucken neigen, haben dafür vielleicht einen erhöhten „Verbrauch“ an Stramplern.

… und was sonst zu bedenken ist.

Wie viele Stücke man im Einzelnen auch anschafft: Optimal ist es, wenn alles untereinander farblich kombinierbar ist.
Besonders einfach ist dies zu realisieren, in dem man bei besonders schönen Stücken beim Kauf gleich doppelt zugreift.
Erfahrungsgemäß gelingt es dabei oft, die Kinder ähnlich, aber nicht ganz gleich auszustatten. Das gleiche T-Shirt beispielsweise in zwei Farben? Eine gute Alternative für alle, die die Kinder nicht haargenau gleich kleiden möchten.

Wer ein Zwillingspärchen bekommt, möchte dies aber vielleicht gerade durch die entsprechende Auswahl der Farben unterstreichen? So schön es auch ist, mädchen- und jungentypisch zu kleiden. Man sollte in Hinblick auf die Haushaltskasse bedenken: Die kleinen Sachen werden nach wenigen Wochen bereits wieder zu klein sein..

Besser entscheidet man sich – auch bei Zwillingspärchen – für zueinander passende Stücke im schlichten Design. In klassischen Ringelmustern oder zeitlosen Farben wie Weiß, Hellblau oder anderen „neutralen“ Pastellfarben. Dann hat man nicht nur eine tolle Basisausstattung zum flexiblem Kombinieren. Es entstehen auch schöne „Gesamtpakete“, wenn man die Sachen später weiter verkaufen möchte.

Bei unterschiedlich großen Zwillingen ist es im Prinzip wie bei zwei Einzelkindern, die nacheinander die verschiedenen Größen tragen können. Und mehr als die erwähnten 8 Teile pro Größe – eher weniger – sollten nicht notwendig sein.

Davon braucht man mehr

Spucktücher und Co.

Bei sogenannten „Spuckkindern“ kann man nie genug von ihnen haben.
Moltontücher in allen möglichen Größen, die als Wickelunterlage, Kopfkissenersatz und Spuckschutz über der Schulter beste Dienste leisten.

Und im Alltag mit neugeborenen Zwillingen muss es oft eins: schnell gehen!
Da ist es einfach unnötig ärgerlich, wenn die Schublade mit den frischen Spucktüchern gerade leer ist!
Mull- und Moltontücher kosten nicht die Welt und können auch später noch für andere Haushaltsdinge nützlich sein. Daher sollte man davon ruhigen Gewissens mehrere anschaffen.

Das gleiche gilt für Lätzchen und Schnuller (falls gewünscht und/oder erforderlich). Denn diese verstecken sich gerne mal – und sollten trotzdem stets in ausreichender Anzahl vorhanden sein.

Babyschalen und Kinderwagen

Unerlässlich sind natürlich auch doppelte Anschaffungen zum Transport der Babys. Zwei Babyschalen fürs Auto beispielsweise, passend dazu Regenverdecke und Lammfellsäcke für die kalte Jahreszeit.

Elementar natürlich auch der Kinderwagen, wie weiter unten unter „Rechtzeitig umschauen!“ beschrieben.

Hochstühle

Sobald die Babys sicher sitzen können, nehmen sie zum Essen praktischerweise im Hochstuhl Platz. Natürlich jedes in seinem eigenen, schließlich will ja die ganze Familie zeitgleich am Tisch sitzen können.

(Möglichst) Günstig ausstatten!

Um Kosten zu sparen, kann das ein oder andere vielleicht im Familien- oder Bekanntenkreis ausgeliehen oder günstig erstanden werden?
Oder man sucht anderweitig nach gut erhaltener Second-Hand-Ware: Auf Flohmärkten und auf „Marktplätzen“ im Internet findet sich eine schier unendliche Fülle gebrauchter Kinderwagen, Wiegen, Babykleidung und zig anderer nützlicher Dinge.

Mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass sich gleich zweimal Eltern freuen können! Die „Neu“-Eltern bekommen das eine oder andere oft weit unter Neupreis. Die „Nicht-mehr-Baby-Eltern“ freuen sich über freigewordenen Platz für Neues plus eine Aufbesserung der Haushaltskasse!

Rechtzeitig umschauen!

Ein großer, aber praktisch unersetzlicher Posten auf der Erstausstattungsliste ist der Zwillingskinderwagen. Es soll ein bestimmtes Modell samt passendem, oft umfangreichen Zubehör sein? Dann sollte nicht zu lange mit dem Kauf warten! Im Babygeschäft vor Ort ist das Wunschmodell womöglich nicht am Lager. Es gilt daher, Lieferfristen zu berücksichtigen.

Auch wenn es ein gebrauchtes Modell sein soll, kann man mit der Suche im Grunde gar nicht früh genug anfangen! Selten findet man viele Angebote in unmittelbarer Nähe, die einem richtig gut gefallen. Und die dazu noch den preislichen Vorstellungen entsprechen.

Parallel kann man auf der Suche nach dem „richtigen“ Kinderwagen die Augen nach einem leichteren, handlicheren Zwillingsbuggy offenhalten.
Wer viel mit dem Auto unterwegs ist, wird es zu schätzen wissen, nicht jedes Mal den schweren Kombikinderwagen aus dem Kofferraum heraus und später wieder hinein hieven zu müssen!

Beim Versuch, einen gebrauchten Kinderwagen zu erstehen, heißt es oft: Second-Hand-Shops besuchen oder abtelefonieren. Kleinanzeigen studieren, Termine vereinbaren, längere Fahrten zu Besichtigungen einkalkulieren. Da gehen die Wochen schnell ins Land – vielleicht, ohne dass das richtige Angebot dabei ist.

Vermutlich gibt es aber viele Zwillingskinderwagen, die gut gebraucht noch in Kellern schlummern und auf neue Besitzer warten. Einen Versuch, selbst aktiv zu werden und eine Such-Kleinanzeige aufzugeben, ist es wert!

Zu guter Letzt: Nicht über Fehlkäufe ärgern!

Dass man perfekt „ausgerüstet“ sein will für die zwei neuen Erdenbürger, ist allzu gut verständlich. Dass man dabei auch mal den Verlockungen der Werbung oder der ausgestellten Produkte im Geschäft nicht widerstehen kann? Und letzten Endes mehr anschafft als unbedingt nötig? Das ist nur allzu menschlich!
Und dass Fehlkäufe passieren, sollte kein Drama sein.

Vieles kann man weiter verkaufen, weiter verschenken oder für eventuell folgende Geschwisterkinder aufbewahren. So freuen sich noch andere darüber und man selbst schont seine Nerven . Und die kann man im Alltag mit Zwillingen wahrlich anderweitig gut gebrauchen!

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