Trennungsschmerz? Oder gar Trennungsfreude? Wenn das Bücherregal (im Kinderzimmer) aus allen Nähten platzt

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Manch einer trennt sich leicht von angesammeltem Hab und Gut, wenn einfach mal wieder Platz für Neues her muss.
Ein anderer tut sich viel schwerer damit selbst dann, wenn in Schränken und Regalen einfach ein Zuviel von allem herrscht.

Schon bei Kindern lassen sich diesbezügliche Unterschiede beobachten: Das eine Kind ist „Jäger und Sammler“ durch und durch, kann jede Schraubenmutter, jedes hübsche Stückchen Geschenkpapier gebrauchen und würde sich niemals von den Muschelsammlungen vergangener Urlaube trennen.
Ein anderes legt in Bezug auf Bastelarbeiten, erhaltene Geburtstagseinladungskarten oder Erinnerungen an die Kindergarten- und Grundschulzeit erstaunlich wenig Sentimentalität an den Tag: „Brauch ich nicht mehr! Kann weg!“

Ein heikler Fall sind – ganz unabhängig davon, wie gerne und gut man sich von Dingen trennt – für vielen Menschen Bücher.
Ob Taschenbuch oder gebundenes Lexikon, Jugendschmöker, Kinderbuchklassiker oder Bilderbuch für Erstleser: Irgendwie fällt es schwer bis unmöglich, die kleinen Schätze aus Papier ins Altpapier zu geben, wenn man sie irgendwann einmal mit Freude gelesen hat (bei spontanen Urlaubs-Fehlkäufen vom Hotel-Kiosk sieht das sicherlich anders aus…).

Selbst wenn im Grunde klar ist, dass niemand in der Familie mehr das Werk in die Hand nehmen geschweige denn darin lesen wird, überkommt einen irgendwie ein kleines Unwohlsein beim Gedanken, ein Buch in den Tiefen vom Altpapiercontainer verschwinden zu lassen?
Dann muss Wegwerfen ja nicht die einzige mögliche Lösung sein, um endlich Platz im Regal zu machen für aktuellere, für Kinder altersgerechtere Literatur!

Ein mögliches Vorgehen:

1.) Sich zunächst eine Übersicht verschaffen
Vielleicht stehen die Bücher so im ganzen Haus verstreut, dass man sich selbst erst einmal wieder einen Überblick verschaffen muss, was sich so in den – vor allem seltener frequentierten – Bücherschränken befindet?
Auch wenn es vielleicht viel Zeit kosten wird: Nehmen Sie jedes Buch einmal in die Hand.
Meist sagt einem das Bauchgefühl dabei ganz genau, ob es sich um einen Kandidaten handelt, der tatsächlich noch mal gelesen werden könnte, oder ob es zu der Sorte gehört, die einen beim Anblick, beim Anlesen oder Vorlesen nicht wirklich fesseln konnte.
Warum es trotzdem noch im Regal steht?
Vielleicht, weil jemand anders in der Familie Interesse angemeldet hat, es – „irgendwann einmal“ – zu lesen?
Weil es ein Geschenk war und man ein schlechtes Gewissen hätte, es zu entsorgen?
Weil es ein -Schnäppchen war, das irgendwann in der Zukunft – „Wenn ich mal viiiel Zeit habe…“ – zum Einsatz kommen soll?
Weil es ein Erbstück ist oder eine Erinnerung an die eigene Kindheit?
Weil man einem Buch eine zweite Chance geben möchte, da vielleicht die persönliche Stimmung beim ersten Leseanlauf irgendwie nicht zum Buchinhalt passte?
Weil man es wirklich gerne gelesen hat und dies mindestens ein zweites Mal plant?

Wenn das Herz wirklich an einem Buch hängt, wird sich sicherlich auch in Zukunft ein Plätzchen dafür finden lassen.
Bei allen „Irgendwann mal“-Kandidaten sollte man sich hingegen ehrlich fragen: Warum wurde das Buch bislang nicht gelesen?
Wäre der Klappentext wirklich so verlockend, hätte sich garantiert schon die Zeit zum Lesen finden lassen.

Auch Geschenke muss man nicht ewig aufbewahren, wenn sie sich als Staubfänger entpuppen! Schließlich bekommt man Bücher zum Lesen geschenkt und nicht als ewige Platzhalter fürs Regal.
Und wenn das Lesen erledigt ist oder freudlos abgebrochen wurde, hat das Geschenk seine Aufgabe erfüllt.

2.) Aussortierte Bücher einteilen
Nach fleißigem Sortieren sind sicherlich mehrere Stapel oder sogar kleine Berge entstanden.
Jeder findet bestimmt dafür seine persönliche Kriterien und seine eigenen Bezeichnungen. Vielleicht können sie folgendermaßen lauten:
1 „Kann weg“,
2 „Kann eventuell weg – nach Rücksprache mit Partner oder Kindern“,
3Wird derzeit nicht benötigt, aber auf jeden Fall aufbewahrt“,
4 „Wird entweder bald gelesen – oder gar nicht mehr“
Am einfachsten ist Stapel 3 zu handhaben: Ab in einen Umzugskarton mit den gut erhaltenen Schätzen wie klassischen Erstlesebüchern, Märchenbüchern oder Bilderbüchern etc., über die sich – vielleicht – die eigenen Enkel noch freuen werden.

Auch Stapel 4 – sofern nicht allzu groß – bekommt seinen Platz. Vielleicht im Schlafzimmer oder dort, wo man üblicherweise schmökert.
Liegen die Bücher nach einem halben Jahr oder länger immer noch unberührt dort, gehörten sie de facto wohl eher in Stapel 1 oder 2.

3.) Wohin mit den „Kann weg“-Büchern?
Bevor die Bücher endgültig das Haus verlassen, steht vermutlich erneutes Sortieren an.
Dabei sollte versucht werden, Sentimentalität nicht über eine objektive Einschätzung der Bücher siegen zu lassen: Ist ein Buch auf dem Badewannenrand einmal feucht geworden, hat Flecken abbekommen, ist von außen verkratzt oder anderweitig mitgenommen, stark vergilbt oder hat die berühmten Eselsohren, ist es wahrscheinlich in einem Zustand, in dem man es selbst nicht unbedingt gebraucht kaufen würde.
Wer damit liebäugelt, seine Bücher auf dem Flohmarkt wieder zu Geld zu machen, sollte auf möglichst tadellose Bücher setzen, denn schon einzelne unattraktive Exemplare lassen schnell eine ganze Bücherkiste uninteressant auf vorbeischlendernde, potentielle Käufer wirken.
Kurz und gut: Was optisch gelitten hat und sich nicht mal mehr wirklich zum Verschenken eignet, darf guten Gewissens in die Altpapiertonne!

Natürlich ist es immer schön, wenn nicht mehr Benötigtes die Haushaltskasse ein wenig füllt.
Ob klassischer Flohmarkt oder übers Internet: Die Möglichkeiten, seine alten Bücher zu präsentieren sind heutzutage schier endlos, aber ebenso groß ist auch das Angebot.
Nur wer realistische Preisvorstellungen (die häufig deutlich unter der subjektivem Wunschvorstellung liegen werden) hat, wird erfolgreich beim Verkauf sein, während sich der Erlös vermutlich dennoch in Grenzen halten wird.

Viel lieber trennt man sich vielleicht, wenn man weiß, dass der gern gelesene Taschenbuch-Schmöker, das fast unbenutzte Erstlesebuch oder der einst teuer erstandene gebundene Roman in gute Hände kommt.
Vielleicht war es im Bekannten- und Freundeskreis und in der erweiterten Familie noch nie ein Thema? Dann fragen Sie doch einfach mal nach, wer was gerne liest und ob nicht Interesse an Lesestoff besteht?
Durch regen Tausch und Weitergabe kommt ein Buch letzten Endes vielleicht durch viele Hände und es ist doch schön, wenn es anderen Freude bereitet anstatt unbeachtet daheim im Regal zu verstauben!
Wer niemanden findet, hat vielleicht einen öffentlichen Bücherschrank in der Nähe, in dem sich eventuell sogar ein adäquater oder besserer Ersatz für das hergegebene Buch finden lässt?
Auf diese Weise wird das eigene Bücherregal zwar nicht leerer, aber„bunter“, weil man vielleicht auf Bücher stößt, die einem sonst nie in die Hände gefallen wären.

4.) Erfolgreich aussortiert?
Damit sich bald nicht wieder die Bücher in den Regalen stapeln, hilft vielleicht folgender kleiner, auf ganz persönlichen Erfahrungen beruhender Tipp: Von Büchern, die man selbst sehr günstig und vielleicht nicht im Bestzustand (auf dem Flohmarkt o.ä.) gekauft hat, trennt es sich später leichter.
Viel Platz im Regal spart natürlich auch der Umstieg vom „klassischen“ Buch auf einen eBook-Reader – bestens aufgehoben übrigens in der selbstgestrickten Filzhülle

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