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„Wann wacht Oma wieder auf?“ – Ein Trauerfall in der Familie bedeutet viele offene Fragen

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Jedes Leben endet mit dem Tod. Eine Erkenntnis, die man im Alltag gerne verdrängt, obwohl sie jedem bewusst ist. Und die dann doch so unbegreiflich scheint, wenn ein geliebter Mensch auf einmal nicht mehr da ist. Plötzlich ist es still dort, wo Opa so oft in seinem Garten saß und lauthals redete und lachte. Plötzlich fühlt sich die Wohnküche kalt an, in der Oma mit ihrer Fürsorge, ihren Geschichten, ihrem selbstgebackenen Kuchen stets Herzenswärme verbreitete.

Ob sie bedingt durch einen Unfall oder eine Krankheit aus dem Leben schieden oder nach vielen Jahren ihr Herz einfach zu schlagen aufhörte: Ein Trauerfall trifft die zurückbleibende Familie hart. Die eigenen Eltern zu verlieren, bedeutet schließlich in jedem Alter Ausnahmezustand.

Da fühlt man sich einerseits leer und ohnmächtig in seinem Kummer. Dennoch gilt es andererseits, mitunter allerlei zu organisieren, zu bedenken, zu regeln, in die Wege zu leiten. Und all das neben Alltagsdingen, die deswegen nicht plötzlich wegfallen. Dann ist es wichtig, sich Zeit auch für die eigenen Kinder zu nehmen. Die als Enkelkinder ebenso einen Verlust erlitten haben und in diesen Tagen und der folgenden Zeit viel Aufmerksamkeit benötigen.

Guter Rat in Zeiten der Trauer?

Das Thema „Trauer in der Familie“ ist einerseits ein so großes, dass wir es hier nicht in all seinen Facetten in wenige Worte fassen können. Andererseits ist es ein so individuelles, dass es keine „Patentrezepte“ oder „Musterlösungen“ geben kann, wie man Kinderfragen „richtig“ beantwortet oder die schwierigste Zeit meistert.

Zum Glück gibt es Ratgeber und – auch altersgerechte – Geschichten dazu. Nicht minder hilfreich können persönliche Erfahrungen anderer sein. Sehr wertvoll, vielseitig und absolut lesenswert ist in diesem Zusammenhang beispielsweise das hier erhältliche kostenlose e-Book, das Erfahrungen von zehn Elternbloggern vereint. Ehrlich, offen und ermutigend finden Familien hier auf praktisch jede Frage eine Antwort. Und obendrein gibt es Buch- und Filmtipps für Eltern und Kinder, Expertinnenrat und Internetadressen von Institutionen für Trauerberatung.

Antworten auf vier Fragen, die sich vermutlich immer bei Trauerfällen innerhalb der eigenen Familie stellen, möchten wir darüber hinaus hier aus unserer Elternsicht geben.

  1. Warum sind klare Worte über den Tod besser als schöne Umschreibungen?

Formulierungen, wie man sie in Traueranzeigen liest oder bei Beerdigungen hört, klingen trostspendender als ein nüchternes „Er ist gestorben“. Ältere Schulkinder verstehen diese bereits und wissen, dass der Uropa nicht wieder aufwacht, auch wenn er „entschlafen“ ist. Und dass er nicht zurückkommt, nachdem er „zu Gott heimgegangen“ ist. Jüngeren Schulkindern kann man erklären, was gemeint ist.

Doch bei den Kleinsten kann all dies für große Verwirrung sorgen. „Schlafen“, „gehen“ – das alles ist doch nicht mehr möglich, wenn jemand tot ist! Oder etwa doch? Räumen Sie solche Zweifel durch klare Worte aus. Selbst, wenn Ihnen diese in Ihrem Kummer schwer über die Lippen kommen.

Dabei hilft es, wenn Kinder früh und ehrlich erfahren durften, dass der Tod allgegenwärtig ist und zum Leben dazugehört. Naturverbundene Kinder lernen dies früh. Denn sie machen Beobachtungen, die manchmal wirklich nicht schön sind und Fragen aufwerfen. Und dann ist es an den Eltern, bei der Wahrheit bleiben, anstatt beschönigende Geschichten zu ersinnen. Die Fliege im Spinnennetz schläft ebenso wenig wie die Maus, die im falschen Moment den Weg der Katze kreuzte. Und auch, wenn insbesondere Kinder manches „gemein!“, traurig, ungerecht finden, so hat doch alles in der Natur seine Zeit. Und vieles seinen Sinn.

  1. Wieso sollte man die eigene Trauer mit seinen Kindern teilen?

Es ist normal, nach dem Verlust eines lieben Menschen traurig zu sein. Das wissen auch Kinder. Und dennoch verwirrt es sie, die eigenen Eltern – vielleicht zum ersten Mal – weinen zu sehen. Vermutlich werden sie überrascht sein, werden nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Schließlich sind Mama und Papa doch die Superhelden, die immer stark sind, eine Lösung parat haben, Tränen trocknen!

Dennoch ist in Ordnung, seinem Kummer freien Lauf zu lassen. Weinen Sie ruhig, aber lassen Sie Ihr Kind nicht alleine in dieser familiären Ausnahmesituation. Sprechen Sie über Ihre Gefühle. Erklären Sie, was Ihre Mutter, Ihr Vater Ihnen bedeutet hat. Und zaubern Sie sich selbst und Ihrem Kind ein Lächeln aufs Gesicht, wenn Sie von Momenten aus Ihrer Vergangenheit erzählen, die diese große Bedeutung unterstreichen.

  1. Weshalb sollte man sich nicht scheuen, Kinder mit zur Beerdigung zu nehmen?

Kinder und Beerdigung – das ist ein Widerspruch, der Eltern Sorge bereitet und Fragen aufwirft. Kinder sind schließlich kleine Sonnenscheine, die pure Lebensfreude, Zukunft, Hoffnung bedeuten. Beerdigungen hingegen sind häufig von Dunkelheit geprägt, traurig. Sie führen unübersehbar das Ende eines Lebens vor Augen, was andere womöglich hoffnungslos zurückbleiben lässt. Wenn Ihr Kind jedoch mit zur Beerdigung möchte, erfüllen Sie ihm diesen Wunsch. Es ist wichtig, dass auch Kinder so Abschied nehmen können.

Finden Sie aber jemanden, der das Kind zuverlässig an seine Hand nimmt, wenn Sie sich dazu nicht in der Lage sehen. Schließlich wird es an diesem Tag mit viel Ungewohntem konfrontiert, mit fremden Menschen, die dunkel gekleidet womöglich ebenfalls um den eigenen Opa weinen. Da braucht Ihr Kind jemanden, der da ist, dem es jede Frage stellen kann und der diese offen und ehrlich beantwortet.

Lassen Sie Ihr Kind überdies bitte auch auf der Beerdigung Kind sein! Ist es noch klein, wird es womöglich während vieler Worte ungeduldig und gähnt herzhaft. Es möchte vielleicht während der Grabrede Blümchen pflücken. Lacht, während andere weinen. Wäre dies bei einem Erwachsenen unangemessen, kann es bei einem Kind Gegenteiliges bewirken. Diese Lebensfreude, diese Unbeschwertheit können ansteckend und tröstend wirken. Zeigen sie Trauernden schließlich: Das Leben ist selbst an solch einem Tag nicht nur dunkel und traurig. Es hat immer seinen fröhlichen Momente, die optimistisch in die Zukunft blicken lassen.

  1. Wie kann man dem persönlichen Gedenken Ausdruck verleihen?

Bereits kleine Kinder haben sicherlich Berührungspunkte mit dem Tod und eigene Ideen, was danach kommt. So ist der Tod in manch altersgerechter Geschichte bereits ein Thema. Oder unter Gleichaltrigen im Kindergarten, wenn es in deren Familien einen Trauerfall gibt. Dabei ist es eine wichtige Erfahrung fürs Leben, dass die Zeit der Trauer zwar belastet. Und das doch das eigene Leben weitergeht, während der Verstorbene seinen festen Platz in den Herzen findet.

Scheint dem Kind das nicht zu genügen, weil es womöglich bereits spürt, wie seine Erinnerungen verblassen? Dann ermutigen Sie es, mit Ihnen zusammen schöne Rituale zu finden, die an Oma oder Opa denken lassen. Zünden Sie im Alltag oder zu besonderen Anlässen eine – selbst gestaltete – Kerze extra für den Verstorbenen an. Pflanzen Sie gemeinsam Blumen aufs Grab, wenn eine neue Jahreszeit beginnt. Überlassen Sie Ihrem Kind persönliche Gegenstände von Oma oder Opa, zu denen es einen Bezug hat.

Und lassen Sie es beim Blättern in Fotoalben und beim Erzählen von Anekdoten spüren, dass ein Mensch niemals ganz „weg“ ist. Denn selbst wenn er nicht mehr da ist, lebt er doch in den Gedanken und in den Herzen derer weiter, denen er viel bedeutete.

Bildquelle: © bigstock.com/ RUSLAN KBR

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