Wie oft? Wie lange? Und was? Kinder und das Thema „Fernsehen“

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Man kann als Eltern tun und lassen, was man will: Der Fernseher übt auf Kinder immer eine magische Anziehungskraft aus.

Ist der Nachwuchs abends eigentlich schon im Bett und kommt dann doch noch einmal ins Wohnzimmer getapst, weil der Durst plagt oder das Gute-Nacht-Küsschen vergessen wurde, schon wird sein Blick wundersam und unausweichlich am Bildschirm kleben bleiben, wenn der Fernseher läuft.
Erst die Pause-Taste oder der Aus-Knopf auf der Fernbedienung wird diesen wieder zu lösen vermögen; eine Erinnerung, dass doch eigentlich längst Schlafenszeit ist, wird hingegen den Blick nur kurzzeitig in eine andere Richtung lenken können.

Am helllichten Tag mag die Welt diesbezüglich anders aussehen: Auch wenn bei Weitem nicht alles, das von morgens bis abends auf sämtlichen Kanälen so in der Glotze läuft, für Kinderaugen gemacht und gedacht ist, ist Fernsehen per se natürlich nichts, von dem man Kinder unbedingt fernhalten und vor dem man sie unbedingt bewahren muss!

Abgesehen davon, dass es praktisch unmöglich ist, Kindern dieses Medium dauerhaft vorzuenthalten zu wollen:
Es gibt viele sehenswerte, für Kinderaugen geeignete (und lehrreiche!) Beiträge, ob speziell im Kinderprogramm oder auch anderswo, bei denen sich das Einschalten lohnt!
Eine ansprechend gemachte Naturdokumentation beispielsweise aus fernen Teile der Erde, über die geheimnisvolle Unterwasserwelt oder die unerschöpfliche Vielfalt des Tierreichs kann ein Genuss für die Augen einer ganzen Familie sein, die dem Kind ganz nebenbei seinen Wissenshorizont erweitern kann.
Ebenso gibt es natürlich viele wundervolle, altersgerechte Film- und Fernsehproduktionen, die ein riesiger Spaß für Eltern und Kind und uneingeschränkt zu empfehlen sind.

Wie so oft im Leben ist auch in puncto Fernsehkonsum entscheidend, das richtige Maß zu finden und eigene Fernsehregeln zum „Wie viel“, „Wie oft“ und „Was“ aufzustellen, bei denen die Kinder vielleicht nicht gleich „Hurra!“ schreien werden, mit denen sich als Familie aber im Endeffekt gut leben lässt:

Anderes darf nie zu kurz kommen!
Weder dürfen Hausaufgaben vernachlässigt werden noch sollten Verabredungen in den Hintergrund geraten, weil das Fernsehprogramm doch so verlockend ist.
Kinder brauchen Bewegung – am besten an der frischen Luft – um fit zu bleiben und sich gesund zu entwickeln, müssen ihren angeborenen Forscherdrang praktisch in der Natur statt theoretisch vor Computer und Fernseher ausleben können.
Die Zeit, in der sie viel sitzen – bis nachmittags in der Schule, danach im Bus, an den Hausaufgaben, am Computer – wird noch früh genug kommen und muss nicht schon in jungen Jahren vor dem Fernseher eingeläutet werden.

Immer dem Alter entsprechend
Empfehlungen, beispielsweise wie die folgenden von der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung), sind ein guter Ratgeber: So sollen Kinder unter 3 Jahren idealerweise noch gar nicht fernsehen. Bis zum Grundschulalter sollten 30 Minuten Fernsehkonsum nicht überschritten werden; danach bis zum Ende der Grundschulzeit sollte es nicht mehr als eine Stunde pro Tag sein.
(Quelle: Pressemitteilung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung „Kindern brauchen klare Regeln im Umgang mit dem Fernseher“)

Wenn Schluss, dann aus!
Wer könnte es den lieben Kleinen verübeln: Ist die Lieblingssendung zu Ende, ist es das Programm auf dem gewählten Sender in der Regel noch lange nicht.
Warum also nicht ein wenig quengeln, um vielleicht noch ein wenig weiter gucken zu dürfen?
Keine Frage: Das kann Nerv raubend sein!
Was hilft? Konsequenz!
Wenn vorher Übereinkunft geschaffen wurde, dass der Fernseher nach dieser einen Folge der Kinderserie wieder eine Auszeit hat, darf auf den Aus-Knopf gedrückt werden, ohne dass man sich auf weitere Diskussionen einlassen muss.

Die berühmten Ausnahmen
Maximal eine Stunde täglicher Fernsehkonsum für Grundschulkinder? Das klingt gut in der Theorie, stellt sich in der Praxis aber als schwierig heraus.
Ein üblicher Film dauert rund 90 Minuten. Wer möchte den ernsthaft in zwei „Häppchen“ aufteilen?
Und was, wenn Kinder auswärts fernsehen dürfen? Gerade in der kalten, dunklen Jahreszeit ist das gemeinsame Filmanschauen schließlich beliebter Programmpunkt bei Kindergeburtstagen.
Bei allem Bemühen, dem Kind immer das Beste tun zu wollen: Solange die berühmte Ausnahme nicht zur Regel wird und das Kind irgendwann immer häufiger über die empfohlene Zeit hinaus vor dem Fernseher sitzt, wird es ihm nicht schaden.
Im Gegenteil ist eine gemeinsam angeschaute DVD mit der ganzen Familie – wie ein Kinobesuch, bei dem das Kind noch länger auf die Leinwand schaut – einfach eine gemütliche, gesellige, fröhliche, verbindende Sache und damit eine positive Erfahrung.

Der Fernseher als Familientreffpunkt
Womit schon der letzte Punkt erreicht ist: Fernsehen sollte im Kindesalter nicht im Alleingang geschehen!
Steht der Fernseher unkontrolliert im Kinderzimmer, wird der Nachwuchs (trotz aller gegenteiliger Versprechen…) mit großer Wahrscheinlichkeit der Versuchung kaum widerstehen können, wenn am Ende der zugestandenen Lieblingssendung die Vorschau aufs weitere – ebenso verlockende Programm – über den Bildschirm flimmert…
Abgesehen davon, dass die Gefahr einfach zu groß ist, dass Kinder vieles von dem zu sehen bekommen, das garantiert nicht in die Rubrik „Pädagogisch wertvoll“ fallen dürfte.

Gemeinsam fernsehen, das kann und sollte gerade für Familien mit jungen Kindern auch bedeuten: Auf dem Sofa miteinander kuscheln, gemeinsam lachen, Neues lernen, zusammen staunen, entdecken und neue Gesprächsthemen auftun.
Da wäre es doch zu schade, wenn jeder für sich allein die Zeit vorm Fernseher verbringt…

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