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Augen fürs Kind anstatt fürs Display

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Nein, „früher“ war sicherlich nicht alles besser. Aber vieles anders. Angefangen vielleicht sogar bei der Definition von „früher“. Wer heute von „früher“ spricht, der meint womöglich nicht die Zeit vor 30, 50 oder mehr Jahren. Sondern schweift vielleicht nur rund 10 bis 15 Jahre zurück. Denn das war in vielerlei Hinsicht wirklich noch eine ganz andere Zeit.

Damals, vor der Ära der Smartphones

Ja, wie war das „früher“ so im Familienalltag, als das Smartphone noch nicht ständiger Blickfang war?
Auf dem Spielplatz beispielsweise?

Im Grunde natürlich gar nicht so anders als heute. Man traf sich nachmittags zwischen Sandkasten und Rutsche mit Kind und Kegel, Keksdosen und Trinkflaschen im Gepäck. Plauderte, schaute dem Nachwuchs beim Spielen zu, verpflasterte zwischendurch aufgeschlagene Knie – und vergaß nicht selten dabei die Zeit.

Auch die Gesprächsthemen waren im Grunde dieselben. Man berichtete von Erlebtem – nur eben ohne ständig das Smartphone zu zücken und Gesagtes mit Bildern und Videos zu dokumentieren.

Handys?
Ja, die gab es durchaus schon! Auch wenn sie aus heutiger Sicht museal anmuten. Sie waren eben noch nicht so smart wie heute. Praktisch unsichtbar irgendwo in Wickeltaschen und Kinderwagennetzen waren sie dabei. Aber eher so für die Notfälle, die zum Glück nie eintraten. Sie klingelten so gut wie nie. Und so gab es keinen Grund, sie zu beachten oder aus der Tasche zu nehmen.

Auf dem Handy anzurufen? Das galt schließlich fast noch als kleiner Luxus! Wer einen erreichen wollte, rief daheim auf dem Festnetz an und hinterließ in Abwesenheit eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter.
Mobiles Internet? Noch uninteressant und praktisch kein Thema auf den kleinen, simplen Displays.
Messenger? Bitte was?
Fotos und Videos? Dass das Handy mal die Funktion einer stets präsenten Kamera einnehmen könnte, daran dachte wohl niemand.

Heute, immer online und up to date?

War damals deswegen alles besser? Nein, natürlich nicht. Sicherlich wäre es aus heutiger Sicht schön, wenn man manchen Moment der Kindheitsentwicklung in Bild und Ton hätte festhalten können.

Auch damals wäre das Smartphone natürlich in vielen Situationen hilfreich gewesen. Um der Freundin sofort die Termine vom Schwimmkurs oder die Telefonnummer der Tagesmutter geben zu können. Um am Leben weggezogener Freunde auch über größere Entfernung weiterhin teilhaben zu können. Oder wartenden Müttern Bescheid sagen zu können, wenn man sich zur Spielplatzverabredung verspätet.

Was aber vielleicht tatsächlich anders – und besser – war? Kindern wurde mehr Aufmerksamkeit zuteil. Nein, natürlich gilt dies und das Folgende nicht für alle Mütter (und Väter)! Und natürlich gibt es Momente, in denen das Smartphone mal wichtiger ist, während sonst die ungeteilte Aufmerksamkeit dem Kind gehört!

Wie oft aber kann man Folgendes im Alltag beobachten?

  • Eltern gucken aufs kleine Display, während sie ihre Babys im Kinderwagen durch die Stadt schieben.
  • Kleinkinder sitzend brabbelnd in Bus und Bahn im Kinderwagen – und Mama oder Papa haben nur Augen fürs Smartphone.
  • Ganze Familien sitzen im Café, jeder schweigend auf seinem Handy tippend.
  • Bei Aufführungen, besonderen Ereignissen spielt das „Live-Erleben“ nur noch eine untergeordnete Rolle. Wichtiger ist es augenscheinlich, das Kind gut im Bild festzuhalten.
  • Kinder hören „Moment, ich kann gerade nicht!“, wenn sie ihre Sandburg auf dem Spielplatz präsentieren wollen. Die gerade eingetroffene Nachricht auf Mamas Smartphone hat Priorität.

Mehr Aufmerksamkeit für Kinder

Aber verdient die just eingetrudelte Nachricht wirklich die sofortige, volle Aufmerksamkeit? Ist das „Musst du gesehen haben“-Video in dem Moment so spannend, dass der Blick aufs kleine Gerät nicht warten kann? Oder der Wetterbericht für den nächsten Tag?

Manchmal: vielleicht. Ganz oft mit Sicherheit aber: nein!

Vielleicht beobachtet man sich selbst dabei, dass das Smartphone gelegentlich die Aufmerksamkeit fürs Kind raubt? Und das schlechte Gewissen nagt dann ein wenig? Vielleicht möchte man aber auch anderen gerne durch die Blume mitteilen „Lass das Smartphone doch mal aus. Beachte lieber dein Kind. Oder deine Mitmenschen.“?

Wem dafür die richtigen Worte fehlen, dem helfen vielleicht folgende Links. Das „Bündnis für Familie, Erziehung und Bildung Salzgitter – Leben mit Kindern“ startete im letzten Oktober die Jahreskampagne „Das Smartphone in der Familie“. Monatlich erschien seitdem eins von insgesamt 12 Videos auf dessen Facebookseite, die genau dies zum Thema haben. Das Smartphone bewusster zu nutzen, Kindern und dem „echten Leben“ statt dessen mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Es sind emotionale, beeindruckende Videos, die wachrütteln und sensibilisieren können. Daher: Einfach mal reinklicken. Wenn das Kind gerade schläft, natürlich! Es lohnt sich.
https://www.facebook.com/Buendnis.SZ/
http://www.buendnis-salzgitter.de/

Bildquelle: © bigstock.com/ Andersonrise

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