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Das erste Mal alleine kochen? So haben Eltern ein gutes Gefühl, wenn der Nachwuchs sich ans Werk macht

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Für ein Baby oder Kleinkind im Haus sollte man die Küche weitestgehend als Tabuzone betrachten. Unbeobachtet haben die Kleinsten selbstredend dort gar nichts verloren. Und selbst unter bester Aufsicht lauern für sie allerhand Gefahren.

An heiße Herdplatten kommt der Nachwuchs im Kleinkindalter zwar vielleicht noch nicht heran. Aber an ungesicherte Schubladen, an denen er sich die Finger klemmen kann. An die herunterbaumelnde Leitung vom Handrührgerät oder die heiße Backofentür. Im schlimmsten Fall gar an Schubladen, in denen scharfe Messer lagern. Und an Unterschränke, in denen verlockend bunte Putzmittelflaschen lagern.

Zum Glück werden Kinder mit der Zeit größer, verständiger, umsichtiger. Und natürlich: Selbstbewusster! Bald schon – im Kindergartenalter – lassen sie sich nicht mehr mit einem „Dafür bist du noch zu klein!“ abspeisen. Dann wollen sie helfen! In der Küche werkeln wie die Großen! Und das sollte man ihnen nicht per se ausreden. Sondern sich überraschen lassen, wie sehr die Kleinen tatsächlich schon tatkräftig mit anfassen können.

Das lernen und beweisen sie schließlich im Kita-Alltag. Da schenken sie Saft ein, decken den Tisch, bringen benutztes Geschirr in die Spülküche. Und dürfen gar fleißig mithelfen, wenn es ans Schälen und Schnippeln von Obst und Gemüse geht. Immer unter Aufsicht natürlich.

Doch wann kann man den Nachwuchs zu Hause mal alleine in der Küche „machen lassen“? Wenn er beispielsweise einen Kuchen zu Mamas Geburtstag backen möchte? Oder wenn er daheim nachkochen will, was der küchenerfahrene Freund kürzlich Köstliches aus der Pfanne gezaubert hat? Im Kindergartenalter natürlich noch nicht! Danach erst, wenn auf Seiten aller Beteiligten das Bauchgefühl stimmt. Und dazu tragen maßgeblich gemeinsam vereinbarte Regeln für die Küchenbenutzung bei. Zum Beispiel?

1. Wer kocht, räumt danach auf!

Zumindest das Gröbste, wobei man als Eltern nicht allzu viel Penibilität an den Tag legen sollte bei der anschließenden „Küchenabnahme“. Denn es ist doch toll, wenn Kinder selbstständig werden und sich freiwillig an der Hausarbeit beteiligen. Da sollte man sie nicht mit allzu pingeligen Ermahnungen gleich wieder demotivieren.

2. Manches ist schlichtweg tabu!

Es gibt Küchengeräte, die sind nicht nur für Kinder potentielle Gefahrenquellen. An denen hat sich auch manch Erwachsener schon im wahrsten Sinne die Finger verbrannt. Heißes Metall am Gasherd, dem man die Temperatur nicht ansieht, oder ungleichmäßige erhitzte Gefäße aus der Mikrowelle. Auch scharfe Messer sind Klassiker, um sich in einem kurzen Moment der Unachtsamkeit tiefe Wunden zuzufügen.

Doch nicht nur die Gesundheit kann leiden bei unsachgemäßem oder übereifrigem Gebrauch von Kücheneinrichtungsgegenständen. Lässt der Nachwuchs die schwere Pfanne auf den Fliesenboden fallen, kann dies unschöne Spuren hinterlassen. Die nicht mikrowellengeeignete Plastikschüssel kann zu einem Klumpen dahinschmelzen. Das Backblech leiden, wenn man die Pizza darauf zerteilt.

Kinder sollten daher genau wissen, was sie benutzen und betätigen dürfen. Und was nicht! Und natürlich, wo sie das finden. Bevor sie alles durchwühlen oder waghalsige Kletterpartien auf Arbeitsplatten unternehmen, fragen sie Mama oder Papa!

3. Keine Überraschungsmenüs bitte!

Kinder bekommen heute so unglaublich viel von der Welt via Internet zu sehen. Auch Kochvideos, die die Zubereitung mehr oder weniger außergewöhnlicher kulinarischer Genüsse zeigen. Einfach mal nachkochen? Sieht im Moment nach einer witzigen Idee mit hohem Überraschungs- und Experimentierfaktor aus.

Aber dabei sollte es Grenzen geben. Vor allem, wenn der Genuss von vornherein mehr als zweifelhaft ist. Und darum im schlimmsten Fall Nahrungsmittel in der Tonne landen. Kochen ist zwar zweifelsohne eine schöne Freizeitbeschäftigung. Aber den Kochlöffel zu schwingen, wenn niemand so rechten Hunger hat, ist keine gute Idee. Absprachen, wer was, wann und für wen kocht, sind daher immer sinnvoll.

Zu guter Letzt ist absehbar, dass Kinder alleine an Gerichten scheitern werden, die viel Erfahrung und Sachverstand voraussetzen. Auch da ist es geboten, vorher Mama und Papa zu fragen. Um Rat, um Hilfe und um Erlaubnis! Bevor am Ende Tränen fließen, weil einfach alles schief gegangen ist.

4. Fantasie ist gut, aber zum Kochen braucht es eine Anleitung

Kochbücher speziell für Kinder liefern eher simple Rezepte, die dem Nachwuchs munden dürften. Und dazu Schritt-für-Schritt-Anleitungen für sicheres Gelingen.

5. Hygiene ist das A und O in der Küche!

Wer Lebensmittel zubereitet, wäscht sich die Hände. Und für manche Lebensmittel – Fleisch, Fisch, rohe Eier – gelten spezielle „Sicherheitsregeln“. Diese sollte man Kindern frühzeitig im Alltag vermitteln.

6. Im Notfall: Sofort Hilfe holen!

Das gilt einerseits für eher harmlose Pannen. Zum Beispiel: Zu viel Wasser im Püree, zu viel Salz in der Suppe, zu viel Mehl im Pizzateig. Mama oder Papa haben sicherlich hier und da einen Tipp, um manches noch zu retten.

Vor allem aber sollten Eltern für den Fall echter Notfälle immer in der Nähe sein, wenn der Nachwuchs alleine kocht! Stichworte: Fettbrand, angeschmorte Schüsseln auf dem Herd, Verbrennungen, Schnittwunden. Dann gilt es nicht zu zögern, sondern umgehend Eltern zu rufen!

Doch ab welchem Alter „dürfen“ sich Kinder denn nun alleine ans Werk machen?

Wie anfangs bereits erwähnt: Eine Altersempfehlung pauschal auszusprechen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Manches Grundschulkind ist schon echt fit in Küchendingen. Manch Teenager hingegen mit einfachsten Handgriffen beim Kochen und Backen überfordert.

Besser als auf das Alter zu schauen ist, auf das eigene, elterliche Bauchgefühl zu hören. Kann man sich entspannt zurücklehnen, während das Kind alleine oder mit Freunden oder Geschwistern in der Küche werkelt? Oder tigert man ständig zur geschlossenen Küchentür? Lauscht insgeheim, ob alles ruhig ist und in Ordnung scheint? Und verdirbt einem die Sorge, dass etwas passieren könnte oder die Küche später ein „Schlachtfeld“ ist, ohnehin den Appetit?

Dann gilt es, wiederum genau in sich hinein zu horchen: Sind diese Sorgen begründet? Oder neigt man womöglich zur Überbesorgtheit? In beiden Fällen ist Folgendes angeraten, damit Kinder Sicherheit gewinnen und Eltern mehr Gelassenheit.

Möglichst oft gemeinsam kochen…

Zeigen Sie Ihrem Kind, was es interessiert. Erklären Sie in aller Ruhe, wie man beispielsweise mit dem Sparschäler eine Kartoffel schält. Und lassen Sie es dann mal machen, ohne ihm auf die Finger zu schauen. Die elterliche Geduld sollte bei solchen Dingen stets mindestens so groß sein wie der kindliche Ehrgeiz.

… und den Nachwuchs ansonsten häufig zuschauen lassen!

Doch auch das ehrgeizigste Kind ist bei manch einer Küchentätigkeit erst einmal zum Zuschauen verdonnert. Etwas scharf anbraten, Grillgut aus dem Backofen holen, das Dessert flambieren – dabei ist einfach das Verletzungsrisiko zu groß.

Doch zum Glück macht nicht nur Übung den Meister. Zugucken genügt, dass Kinder viel „mitnehmen“ können. Sie können dazu Fragen stellen, sich Küchentricks abschauen und sehr viel lernen. Und erkennen, dass Kochen keine Zauberei ist, die ungemeines Talent erfordert. Spaß, Kreativität und Freude an Neuem sind vielmehr Zutaten, die bei dieser alltäglichen Tätigkeit immer wieder für Genuss sorgen.

Und wenn das Kind ein Küchenmuffel bleibt, obwohl man es doch so gerne fürs Kochen und Backen begeistern würde?

Dann hilft es sicherlich, ihm Herausforderungen zu bieten. Kinder wollen nicht die langweiligen Dinge übernehmen. Sondern die spannenden! Sie wollen nicht Gemüse putzen, das ihnen eh nicht so gut schmeckt. Sie wollen lieber Freunde mit ihrem selbst zubereiteten Lieblingsgericht überraschen.

Und wenn das alles nicht fruchtet? Dann wird selbst der größte Kochmuffel später gut durchs Leben kommen. Es gibt schließlich Tiefkühlgerichte, Mikrowellenmenüs, Mensa, Imbissbude, Lieferservice und belegte Brötchen. Und Hotel Mama.

Und wer weiß, ob die Leidenschaft fürs Kochen nicht irgendwann noch entflammt? Die erste große Liebe sorgt häufig dafür, dass manch einer plötzlich doch an Arbeitsplatte und Herd glänzen möchte. Liebe geht schließlich durch den Magen… .

Bildquelle: © unsplash.com/ Hannah Tasker

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