Die Qual der (Schul)Wahl…

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Auf welche Grundschule das Kind nach der Kindergartenzeit gehen wird, ist oft eine einfache Entscheidung.
Meist ist es die nächstgelegene, optimalerweise fußläufig erreichbare Schule, in die auch die Kindergartenfreunde wechseln.
Nach einigen Jahren stehen Eltern dann wieder vor einer, dann oft viel schwierigeren (Schul)Wahl. Generell erst einmal: Welche Schulform soll es sein?
Und wenn diese Entscheidung getroffen ist: Welche der in Frage kommenden Schulen ist die beste für mein Kind?

Ist diese oft langwierige und von vielen Gesichtspunkten bestimmte Entscheidung gefallen, das Kind an der Wunschschule angemeldet und aufgenommen, heißt es endlich „Aufatmen!“ und der Blick kann erwartungsvoll, gespannt auf die Zukunft und mit viel Vorfreude auf die nächsten Schuljahre gerichtet werden.

Was bei der Wahl der weiterführenden Schule mitentscheidend sein kann?
Hier einige Kriterien, die – wieder einmal – ganz subjektiv aus Elternsicht zusammen getragen wurden

Was sagt das Bauchgefühl?
Nutzen Sie mit ihrem Kind die Gelegenheit, in die vielleicht künftige Schule „hinein zu schnuppern“!
Am „Tag der Offenen Tür“, bei Schulfesten oder anderen Veranstaltungen kann man sich häufig ein gutes Bild davon machen, welche Angebote es gibt, wie das Gebäude, die Klassenräume, die Fachräume, die Aula, der Pausenhof und die Sportmöglichkeiten aussehen, wie die Lehrer auf einen wirken, der Umgang miteinander, die Unterrichtssituation – eben die ganze Atmosphäre.

Jede Schule wird man mit einem ersten Eindruck, nicht selten auch mit einem bestimmten Bauchgefühl – ob gut oder schlecht – verlassen.
Und oft ist dieser ganz subjektive Eindruck für Kinder wie Eltern eine wichtige Entscheidungshilfe, ob diese Schule „passen“ kann oder eben nicht.

Welche Betreuungsmöglichkeiten gibt es nach dem Unterricht?
Besonders für berufstätige Eltern ist es wichtig zu wissen, was die Kinder nach dem Unterricht in der Schule erledigen und erleben können.
Welche AGs und Kreativangebote gibt es? Wie sind das Mittagessen und die Hausaufgabenbetreuung organisiert? Gibt es vielleicht Förderangebote für Kinder, die in einzelnen Fächern sehr begabt sind oder Nachholbedarf haben?
Und: wann an welchen Wochentagen weiß ich mein Kind ab welcher und bis zu welcher Uhrzeit gut betreut?

Welche „Besonderheiten“ gibt es?
Manche Schulen haben besondere Angebote im Bereich der Naturwissenschaften oder Sprachen, ermöglichen vielleicht den Start mit einer anderen Fremdsprache als Englisch oder bieten andere als die „klassischen“ Fremdsprachen für ältere Schüler – als Unterrichtsfach oder AG – an.
Andere fördern vielleicht besonders sportliche Schüler, bei wieder anderen sind Schwerpunkte durch ihre konfessionelle Ausrichtung gelegt.

Dank der Internetseiten der weiterführenden Schulen lässt sich im Vorfeld Vieles in Erfahrung bringen.
Es lohnt sich, sich die Zeit zu nehmen, in Ruhe durch alle Internetangebote zu stöbern!
Hat man etwas gefunden, das für das eigene Kind interessant sein könnte: Unbedingt notieren, um dann durch gezieltes Erkundigen und Nachfragen weitere und vertiefende Auskünfte bei Informationsveranstaltung einholen zu können, ohne dabei wichtige Fragen zu vergessen!

Der Schulweg
Mit dem Fahrrad, mit dem Bus oder Bahn oder sogar zu Fuß?
Wenn eine potentielle Schule praktisch „um die Ecke“ liegt, ist dies natürlich ein großer Pluspunkt.
Keine langen Weg am Morgen zu haben, schnell daheim am Mittag oder später in Freistunden und dabei praktisch unabhängig vom Wetter zu sein, ist für viele zurecht die Idealvorstellung.

Bei größeren, aber nicht allzu großen Entfernungen bietet sich für viele das Fahrradfahren an.
So kommt man morgens schon wach und „gut gelüftet“ zum Unterricht an und kann sich mittags nach dem langen Sitzen ordentlich bewegen, bevor es an die Hausaufgaben geht.

Bei größeren Entfernungen bleiben meist der Bus oder die Bahn als Alternativen.
Was dem eigenen Kind davon am meisten entgegen kommt, ist sicher Typsache.
Nicht jedem liegt das Bus- oder Bahnfahren, genau, wie sich nicht jedes Kind bei Wind und Wetter fürs Radfahren begeistern kann!

Möchte man sich eventuell für einer weiter entfernte als die nächstgelegene Schule entscheiden, ist gründliches Abwägen sinnvoll: Wie viel Schulweg, wie viel Fahrzeit – zweimal täglich und das über viele Jahre! – kann und möchte man dem Kind zumuten? Und vor allem: Wie empfindet das Kind selbst?

Wenn möglich, sollte man an einem normalen Schultag die Strecke einmal testen. Wie voll sind Busse und Bahnen, wie klappt das Umsteigen, wie ist der Fußweg bis zu und von der Haltestelle aus?
Auch wichtig: Wie schaut es mit den Fahrtkosten und einer eventuellen Fahrtkostenübernahme aus?

Für potentielle „Fahrradkinder“ gilt natürlich dasselbe: Den Weg einfach mal abfahren, möglichst auch einmal während der Schulzeit und auch einmal in der Dunkelheit.
Im Sommer macht das Radeln ohne Frage Spaß, man wird gut gesehen, kommt schnell voran, die Wege sind höchstens mal regennass.
Aber wie schaut der Weg im Winter aus? Ist er gut beleuchtet und sicher, wird geräumt und gestreut?

Ganz wichtig ist es auch im Vorfeld zu klären: Falls das Wetter wirklich mal solche Kapriolen schlägt, dass das Radfahren unzumutbar wird, kann das Kind (mit dem Auto) gebracht und nachmittags wieder abgeholt werden und/oder gibt es eine gute Anbindung mittels öffentlicher Verkehrsmittel?

Erfahrungen anderer Schüler und deren Eltern
Sie sind interessant und wichtig: Die Erfahrungen von Eltern, deren Kinder bereits eine weiterführende Schule besuchen. Im Gespräch lässt sich oft einfach heraus finden, was aus deren Sicht die Plus- und Minuspunkte einer Schule sind.

Am wichtigsten ist letzten Endes aber doch, dass die Kinder sich wohlfühlen und wie sie den Schulalltag aus ihrer Perspektive empfinden, deswegen ist es fast noch wichtiger, sich von ihnen ihre Erfahrungen schildern zu lassen.
Zum Glück sind die Kinder oft direkter als ihre Eltern, nehmen selten ein Blatt vor dem Mund und erzählen meist gerne und ausführlich, was sie an ihrer Schule toll finden, was aber vielleicht auch nicht ganz so rund läuft.

Wichtig dabei: Nur Erfahrungen aus erster Hand sammeln und sich nicht allzu sehr durch negative Berichte verunsichern lassen, wenn das eigene Bauchgefühl schon für eine Schule entschieden hat.
Naturgemäß kommt nicht jeder an jeder Schule und mit jedem Lehrer gleich gut zurecht. Das muss nicht bedeuten, dass es dem eigenen Kind auch so geht!
Wie oft hört man dazu „um drei Ecken“ von irgendwelchen unerfreulichen Geschichten, die sich an Schule XY zugetragen haben sollen… .
Es wird viel erzählt und man muss nicht alles auf die Goldwaage legen, zumindest, solange es sich lediglich um die besagten „Drei-Ecken-Geschichten“ handelt.

Allein oder mit Freunden?
Die Frage „Mit wem – oder auch nicht?“ spielt für manche Kinder eine sehr große, für manche hingegen eine untergeordnete Rolle, kann die Schulwahl zu einer sehr emotionalen Angelegenheit werden lassen und ist oft eine sehr zweischneidige Sache.

Einerseits kommen und gehen Freundschaften in diesem Alter sehr schnell.
Selbst, wenn ein Kind in der neuen Klasse noch niemanden kennt, wird es sicher schnell Anschluss und neue Freunde finden.

Auf der anderen Seite ist es oft auch sehr schön, aber auch praktisch, wenn Grundschulklassenkameraden auch in der neuen Schule dieselbe Klasse besuchen.
Oft wohnen die Kinder nah beieinander, können so einfach die Hausaufgaben im Krankheitsfall mitbringen, sich nachmittags unkompliziert treffen, um gemeinsam Schulprojekte zu bearbeiten oder einfach miteinander zu spielen.
Fahren die Kinder mit dem Fahrrad, sind sie nicht allein unterwegs, ansonsten können sie vielleicht mit dem selben Bus fahren und brauchen zumindest den Weg vom Bus bis zur Schule nicht allein zu bewältigen.
Später in der Regel alles kein Problem, am Anfang aber ein gutes Gefühl zu wissen, dass das eigene Kind nicht ganz alleine unterwegs ist.

Außerdem: Meist kennt man sich auch als Eltern untereinander, kann Fahrgemeinschaften zu Geburtstagsfeiern, Schulveranstaltungen und Elternabenden organisieren.
Und darüber hinaus ist es für manche Kindern wie Eltern undenkbar, jahrelang überdauernde beste Freundschaften zu trennen.

Überhaupt und besonders bei diesem letzten Punkt bleibt es allen Familien zu wünschen, dass eine gute Entscheidung getroffen werden kann, mit der später jeder glücklich ist!

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3 Kommentare

  1. Bauchgefühl und soziale Aspekte sind sehr wichtig, wobei auch ein sozialer Neuanfang frischen Wind in die Entwicklung eines Kindes bringen kann. Die „alten“ Freunde kann man ja weiterhin nachmittags sehen. Ein weiterer Punkt, den sich Eltern vergegenwärtigen sollten: Viele Wege führen zum Ziel. Wenn also das Ziel Abitur, Studium ist, so kann der Weg dorthin über drei verschiedene Schulformen führen. Das führt mich zu der Erkenntnis: Der Weg ist das Ziel, denn das Kind sollte sich stets wohlfühlen und glücklich sein.

  2. Das Bauchgefühl ist wohl immer das beste. Ob es 100% richtig ist weiß man sowie so erst später. Wenn man sich jedoch gegen sein Bauchgefühl entscheidet hat man schon von Anfang an Bauchschmerzen, oder ?

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