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Ein Gewinn für alle: Die Familienzeit mit Teenagern bewusst erleben

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Alle Eltern machen ganz gewiss folgende Erfahrung. Es ist ein schleichender Prozess, wenn Kinder groß werden. Eine Aufeinanderfolge unzähliger kleiner Veränderungen. So klein, dass man sie von einem Tag zum anderen selten, meist gar nicht wahrnimmt. „Plötzlich“ kann das Kind dann sitzen, sprechen, krabbeln, laufen. Jahre später wächst es einem womöglich über den Kopf. Und während das Kind größer wird und gedeiht, verändert sich auch die Rolle eines jeden Einzelnen innerhalb der Familie.

Im Kindergartenalter sind die Kleinsten zweifellos strahlender Mittelpunkt des Geschehens. Nach ihnen richtet man seinen Alltag aus. Hinbringen zum und Abholen vom Kindergarten bestimmen nicht selten maßgeblich den Tagesrhythmus. Ebenso wie Verabredungen der Kleinen am Nachmittag und wichtige Rituale wie das Vorlesen am Abend. Keine Frage, dass man sich als Eltern gerne darauf einlässt. Schließlich ist der Nachwuchs in diesem Alter so herrlich niedlich, quirlig, verspielt und verschmust.

Markant sind die Veränderungen, die sich dann wiederum quasi unbemerkt im Laufe der Grundschulzeit vollziehen. Zunehmend gehen Kinder eigene Wege. Freunde werden wichtiger, teilen Freizeitaktivitäten, Abenteuer und Geheimnisse.

Natürlich sind Mama und Papa auch dann noch alltägliche, wichtige Wegbegleiter. Aber Wege zum Spielplatz, zum Hobby und zur Schule, die schaffen Grundschulkinder wahrlich schon gut allein.

Und dieser Abnabelungsprozess setzt sich nahtlos fort, wenn erst einmal die weiterführende Schule begonnen hat.

Teenager und ihre Eltern – früher und heute

Zwar mögen viele Eltern erleben, dass Sie ein ganz anderes Verhältnis zu Ihren jugendlichen Kindern haben als sie selbst einst zu Ihren Eltern hatten. Irgendwie freundschaftlicher, mehr auf Augenhöhe. Freunde der Kinder werden quasi als Freunde der Familie begrüßt. Früher undenkbar für beide Seiten. Niemals hätte man doch die Eltern der Schulfreunde geduzt oder duzen wollen?!

Heute hingegen, da bietet man dem Freund der Tochter beim ersten Besuch im eigenen Haus gerne das „Du“ an. Warum? Vermutlich, weil man sich selbst doch noch so herrlich jung fühlt. Weil das „Sie“ schlichtweg unpassend erscheint. Und vielleicht auch ein bisschen, weil man sich vor den Augen der eigenen Kinder einfach sympathisch präsentieren möchte. Als offener, herzlicher Gastgeber, bei dem sich jeder willkommen und nicht als Fremder fühlen soll.

„Deine Themen sind auch meine Themen“…

Zwar sind Eltern heute viel besser im Bilde, was angesagt ist. Sie sind auf der Höhe, wie der Song im Radio heißt und wer ihn singt. Sie können mitreden bei brandneuen Serien des Streamingdienstes und vielem mehr, das den Gesprächsstoff von Teenagern bestimmt. Und nicht selten sind die gemeinsamen Interessen so groß, dass man gar Konzerte zusammen besucht. Dass man sich als Familie den neuesten Blockbuster im Kino anschaut. Und man sich als Mutter und Tochter gar gegenseitig aushilft, wenn der eigenen Kleiderschrank nicht das Passende hergibt.

Und das ist zweifelsohne schön, denn das verbindet. Das schafft gemeinsame Erinnerungen und gibt einem das gute Gefühl, die Familienzeit richtig und intensiv zu nutzen.

Aber unterm Strich ist es dennoch so, dass Teenager eine andere Vorstellung von Familienleben haben als noch zehn Jahre zuvor. Früher standen Familienausflüge hoch im Kurs. Mama kochte womöglich täglich nach der Schule, ging danach mit zum Spielplatz. Jetzt heißt es hingegen: Morgens Schule, mittags Mensa, nachmittags Hobby, abends ausgehen. Und zwischendurch bevorzugt „Social life networking“ mittels Smartphone hinter der verschlossenen Zimmertür.

Da sehen sich Eltern und Kinder im Alltag mitunter fast nur bei gemeinsamen Mahlzeiten. Und das ist doch schade! Schließlich ist der Nachwuchs doch jetzt endlich „groß“! Ein Zustand, auf den – Hand aufs Herz – jeder mal gewartet hat, als das Leben mit Kleinkind so richtig schlauchte.

Nach der „Pflicht“ kommt die „Kür“

Jetzt könnte man sich als Eltern zurücklehnen. Stolz auf die Früchte von Erziehung, schlafloser Nächte, mancher Sorge und gemeinsam gemeisterter Krise blicken. Läge nicht ein dunkler Schatten über dem Ganzen. Die Aussicht nämlich, dass nichts für immer währt. Womöglich dauert es nun gar nicht mehr lange, bis der Nachwuchs das elterliche Nest verlässt.

Gerade jetzt, wenn manches, das die Erziehung nicht immer leicht machte, endgültig passé ist. Endlich kein Gequengel mehr über Schlafenszeiten! Kein ständiges Ermahnen mehr zum Thema Zähneputzen, keine Belehrungen mehr am Esstisch bezüglich guten Benehmens.

Statt dessen: Anregende Gespräche quasi unter Erwachsenen. Reger Austausch über all das, was jeder so kürzlich erlebt hat und bald zu erleben gedenkt. Philosophieren über Weltanschauungen, Aufzeigen und Abwägen von Zukunftsperspektiven. Wenn, ja wenn man denn den Teenie dazu motivieren könnte, aktiv am Familienleben teilzuhaben.

Dabei gibt es so viel Wunderbares, das man gerade zusammen mit größeren Kindern unternehmen kann. Für das man teils nicht mal aus dem Haus oder Geld ausgeben muss. Und das auch in Krisenzeiten problem- und bedenkenlos möglich ist!

Kilometerweit durch Wald und Flur

Spazierengehen ist eine wunderbare Freizeitbeschäftigung für Familien. Geht immer und überall, bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit. Ja, vielleicht zeigt sich der Nachwuchs zunächst wenig begeistert von der Aussicht, durch die Landschaft zu schlendern. Aber einmal unterwegs ist diese Skepsis erfahrungsgemäß meist schnell verflogen.

Denn spazieren zu gehen, das bietet für jeden einen Mehrwert. Ob Seite an Seite oder zwischendurch auch mal ein wenig abgesondert vom Rest der Gruppe. Man kommt an die frische Luft. Man kommt in Bewegung. Sicherlich kann man einiges entdecken und sich dran erfreuen. Wie derzeit an der Blütenpracht von Bäumen und Blumen am Wegesrand. Oder der putzigen Entenfamilie, die den Weg kreuzt. An den berühmten, kleinen Dingen des Lebens halt.

Vor allem aber kann man vieles „mitnehmen“ nach Hause. Innere Ruhe, einen klaren Kopf, ein gutes Gefühl. Nachdem man einfach mal frei von der üblichen Ablenkung gute Gespräche führen konnte. Oder einfach dem Vogelgezwitscher, Musik oder Podcast lauschte.

Quasi als Bonus obendrein erfreut einen die Tatsache, etwas Gutes für sich getan, Kalorien verbrannt zu haben. Und da es in Gesellschaft am besten schmeckt, ist nach der Rückkehr nach Hause doch idealer Zeitpunkt für eine Belohnung! Süßes im Kreise der Liebsten. Oder gleich für das Kochen in trauter Runde!

Gemeinsame Mahlzeiten als Höhepunkt eines jeden Tages

Ein leckeres Essen, aber auch das Kochen zuvor bedeuten für viele nicht nur Hochgenuss im Alltag. Vielmehr ist es auch ein Ankerpunkt, ein schönes Ritual nach einem langen Arbeitstag. Und eine tolle Gelegenheit, die Familie nicht nur an einem Tisch zu versammeln. Sondern gleichsam dem Nachwuchs zu beweisen, dass Kochen eine durchaus erlernenswürdige Fähigkeit fürs Leben ist.

Es lohnt sich eben, nicht immer zur Ravioli-Dose oder zur Fertigsuppe zu greifen. Öfter sollte man statt dessen selbst schnippeln, würzen, abschmecken. Macht viel Arbeit, kostet einiges an Zeit, aber für ein gelungenes Resultat sollte man die Mühe nicht scheuen.

Zumal man selbst vom größten Küchenmuffel im Teenager-Alter verlangen kann, dass er seinen Teil dazu beiträgt. Auch wer „keine Zeit“ hat, kann schnell mal Gemüse schneiden. Wer zwei linke Hände hat, kann zumindest Zutaten aus dem Keller holen. Und selbst, wer dies noch nie gemacht hat, sollte imstande sein, einen Tisch zu decken. Vielleicht nicht schön, aber funktional.

Unterm Strich steht schließlich die reiche Belohnung für all den gemeinsamen Einsatz! Je mehr Gänge, je einladender der Esstisch, desto länger die Verweildauer und desto höher der Wohlfühlfaktor. Und das sind doch wiederum beste Voraussetzungen, den Abend in trauter Runde noch etwas zu verlängern. Beispielsweise in Form eines Spieleabends.

Fürs Spielen ist man nie zu alt!

Manche Spiele bleiben einfach ewig in der Familie. Weil sie den Kleinen bereits Spaß machten, ebenso wie den Eltern. Und weil auch später nie jemand zu alt für sie wurde. Für wahre Klassiker, die sich seit Jahren oder Jahrzehnten bewähren.

Natürlich ist es zwischendurch immer auch schön, neue Brettspiele kennen zu lernen, bis dato unbekannte Kartenspiele auszuprobieren. Aber oft ist es eben doch wieder Altbewährtes, für das sich alle begeistert aussprechen. Weil niemand lange Erklärungen benötigt, weil jeder die Regeln kennt. Weil es einfach gleich losgehen kann.

Daneben sind es im Umkehrschluss aber mitunter auch immer dieselben Spiele, die nur verhaltene Begeisterung auszulösen vermögen. Und darum immer und immer wieder und einmal mehr in der Schachtel bleiben.

Ein effektiver Wink mit dem Zaunpfahl, dass man bei Gelegenheit doch mal den Spielschrank durchsehen sollte? Und die Bücherregale gleich mit? Und die Sammlung von CDs und DVD? Ein eindeutiger Fingerzeig eben, alles halb Vergessene einem kritischen Blick zu unterziehen. Und das eine oder andere auszusortieren, das seit Jahren praktisch nur noch als Staubfänger fungiert.

Gemeinsame Projekte schweißen zusammen

Vieles im Alltag macht Freude, aber daneben gibt es eben auch die lästigen Pflichten. Die keiner wirklich gern erledigt, die man gerne vor sich her schiebt. Und am Ende des Tages ist es doch wieder einer in der Familie, der sich notgedrungen drum kümmert. Mama oder Papa.

Dabei ist es nicht nur ein Gewinn fürs Gemeinschaftsgefühl, wenn stattdessen alle öfter an einem Strang ziehen. Vielmehr ist es eine wichtige und richtige Botschaft an die pubertierenden Mitbewohner. Jeder darf nehmen, von den Annehmlichkeiten des Familienlebens profitieren! Stichworte: frisch gewaschene Wäsche, voller Kühlschrank. Aber ebenso muss jeder auch geben. Nur so funktioniert harmonisches und gerechtes Miteinander. Und niemanden beschleicht das unangenehme Gefühl, stets all das zu erledigen, worauf sonst niemand Lust hat.

Projekte, bei denen alle sich einbringen können, gibt es sicherlich einige. Ob in der eher kleinen Wohnung oder im großen Haus. Ob im eigenen Garten oder auf dem Balkon. Schon kleine Veränderungen können dabei erfahrungsgemäß große Wirkung haben. Oft reicht schon der Frühjahrsputz! Um Ordnung und Übersicht zu schaffen, den Alltag nachhaltig zu erleichtern und alles in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.

Und ist es doch die Tapete, die einer neuen weichen soll? Dann ist es deutlich kurzweiliger und effektiver, wenn alle gemeinsam geduldig nebeneinander Meter und Meter abkratzen. Je länger es dauert, je mehr Schweiß fließt, desto eindrücklicher wird man sich später daran erinnern. Verklärt lächeln, alle zwischenzeitlichen Missstimmungen verdrängt und alle Renovierungspannen vergessen haben.

Gilt es hingegen, den Keller auszumisten, gelingt dies nicht nur schneller und effektiver, wenn die ganze Familie am Start ist. Es minimiert auch die Gefahr, dass Eltern sich später bösen Blicken ausgesetzt sehen. Dann nämlich, wenn man Rutschauto, Lieblingsbuch oder abgeliebtes Kuscheltier versehentlich mit aussortierte. Und die schon so Großen plötzlich mit traurigen Augen wehmütig ans Kleinsein zurück denken… .

Bildquelle: © bigstock.com/ Vitaly Gariev

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