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Glückliche Einzelkinder? Traurige Einzelkinder?

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„Ein Kind braucht doch Geschwister!“
Kaum ist das erste Baby geboren, hören sicherlich nicht wenige Eltern diesen Satz.
Dabei ist es gar nicht so selten, dass es bei einem Kind bleibt! Rund jedes vierte Kind in Deutschland wächst ohne Geschwister auf.

Doch ist das wirklich ein Nachteil oder gar ein bedauernswerter Zustand, stest so „allein“ zu Haus‘ zu sein?
Tatsache ist sicherlich: Einzelkinder und ihre Familien haben damals wie heute mit Vorurteilen zu kämpfen.

„Sie können schlecht teilen“, heißt es oft. Weil sie es von zu Hause nicht gewohnt seien.
Aber ist es nicht genauso möglich, dass sie gerne und großzügig mit anderen teilen, weil sie es eben nie müssen?
Daheim brauchen sie sich schließlich keine Sorgen zu machen, dass Geschwister sich an ihrem Hab und Gut vergreifen.
Sie müssen nie erleben, dass Bruder oder Schwester etwas kaputt machen.
Vielleicht kennen sie im Gegensatz zu Geschwisterkindern daher solche Ängste gar nicht? Und geben deswegen gerne ab und lassen andere an ihren Schätzen teilhaben?

So wie dieses Vorurteil relativeren sich viele vermeintliche Vor- und Nachteile des Einzelkind-Daseins und Einzelkind-Habens bei genauem Hinsehen.

„Man hat als Eltern mehr Zeit für ein Kind, weil man sich nicht „aufteilen“ muss.“

Das mag im Großen und Ganzen stimmen. Doch ist das ein Vorteil? Womöglich hat man dadurch schließlich weniger Zeit für sich selbst?

Denn so gern man auch Mama oder Papa ist: Hin und wieder braucht es doch eine Auszeit!
Und dann ist es wunderbar, wenn an einem Tag mit Dauerregen Geschwister zusammen spielen können.
Und man selbst kann währenddessen mal eine kurze Verschnaufpause nach der x-ten Runde Brettspiel einlegen.

„Man kann ein Einzelkind intensiver fördern.“

Auch das ist sicherlich nicht verkehrt.
Wer nur einem Kind bei den Hausaufgaben helfen muss, kann dies konzentrierter und ausdauernder tun als wenn mehrere Kinder Fragen haben.

Tatsache ist aber auch, dass manch ein Kind seine Hausaufgaben bis zum letzten Tag seiner Schulzeit praktisch ohne Hilfe meistert. Oder die Hausaufgaben gar nicht daheim, sondern in der Betreuung erledigt.

Und dass es unter Geschwistern nicht nur gelegentlich viel Knatsch, sondern auch große Hilfsbereitschaft gibt!
Ältere Kinder, die selbst noch „drin“ sind im Schulstoff, können kleinen Geschwistern womöglich besser assistieren als deren Eltern!

Und in puncto Hobbys?
Klavier üben, Lesen, Lernen – wenn Eltern sich währenddessen still zurückziehen, ist all dies ohne Ablenkung möglich. Ein Pluspunkt bei diesen Beschäftigungen für Einzelkinder! Und ein Luxus, auf den sicher manches Kind mit Geschwistern häufig neidisch ist.

Aber manches geht eben auch zu zweit besser. Gemeinsam zu musizieren erfordert mitunter viel mehr Geduld als alleine Flöte oder Geige zu spielen.
Beim Laufen, Springen, Werfen ist ein Kräftemessen ganz förderlich.
Natürlich geht all das auch mit Freunden, aber Geschwister sind tendenziell einfach öfter da.

„Ein Einzelkind bedeutet weniger Freizeit-Stress!“

Keine Frage: Je weniger Kinder man nachmittäglich zu ihren Hobbys fahren muss, desto ruhiger sind die Freizeitstunden.

Andererseits: Teilen sich Geschwister Hobbys, trainieren sie im selben Verein? Dann lässt man sie zu zweit vermutlich schon eher mal Wege ohne Begleitung erledigen.

Es mag auch entspannter sein, mit nur einem Kind durch die Stadt zu bummeln, Einkäufe oder andere Dinge zu erledigen.
Geschwister lässt man dafür vielleicht früher auch mal zu Hause. Sie können allein und gegenseitig auf sich aufpassen. Und doppelt hält bekanntermaßen besser.

„Reisen, Ausflüge etc. – mit einem Kind ist vieles schlichtweg günstiger.“

Das mag im Großen und Ganzen stimmen.
Dafür sollte man Reiseziele sorgsamer wählen, damit das Kind auch in den Ferien Kinder zum Spielen hat.
Das ist natürlich kein Muss. Aber es kommt doch der elterlichen Erholung sehr entgegen, wenn man sich mal „raus tun“ kann.
Und in Familien mit Geschwistern ist immer etwas los, da braucht es kaum noch „fremde“ Gleichaltrige.

Bei manch einem Freizeitangebot wiederum gibt es erfreulicherweise Angebote für große Familien. Unterm Strich wird es da nicht oder nur wenig teurer wird als mit einem Kind.

„Das Leben mit nur einem Kind ist einfacher und unkomplizierter.“

Das Kind ist krank und muss zum Arzt?
Dann wird es fast immer hektisch. Aber tatsächlich ungleich weniger, wenn nicht noch kleine Geschwister mit in die Praxis müssen. Oder es kurzerhand eine anderweitige Betreuung für diese zu suchen gilt.

Wer betreut das Kind während Ferienzeiten, in denen Mama und Papa sich nicht so viel Urlaub nehmen können?
Auch hier dürfte dies für ein Einzelkind leichter zu organisieren sein.

Doch auch hier das berühmte „Aber“! Geschwister können sich gemeinsam vielleicht eher für Ferienspiele-Angebote u.ä. begeistern, weil sie schon mindestens einen weiteren Teilnehmer der Aktion kennen.
Und je mehr Kinder man hat, desto größer dürfte auch das persönliche Netzwerk sein, indem sich potentielle Betreuungsalternativen finden lassen.

Fazit: Ob Kinder glücklich, behütet, gefördert aufwachsen, das hängt von so vielen Faktoren ab.

Ebenso, wie man sein Leben als Eltern meistert und gestaltet.
Und sicherlich von so vielem mehr als der Geschwister- beziehungsweise Kinderzahl!
Es gibt schließlich sooo viele denkbare Konstellationen von Familien. Und in jeder kann ein Kind glücklich groß werden.

Was in jedem Fall wenig bis gar nichts bringt? Mit dem zu hadern, wie es sich nun mal ergeben hat.
Welches Einzelkind kann später schon wirklich sagen, ob es mit Geschwistern glücklicher gewesen wäre oder nicht?
Die meisten Erstgeborenen dürften sich nicht mehr erinnern, wie es war als „Einzelkind auf Zeit“. Damals, bevor das Geschwisterchen das Licht der Welt erblickte.
Sie kennen es schlichtweg nicht mehr anders, als Bruder oder Schwester zu haben.
Und umgekehrt waren wohl die meisten Einzelkinder von Geburt an Einzelkinder – und blieben es dann auch.

Zwei spannende Links zum Schluss

Bildquelle: © bigstockfoto.com/picturebug

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