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Interview-Fragen an Kristin Franke

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Ist es schwerer für Kinder zu schreiben, als für Erwachsene?

Es fiele mir wohl schwerer, für Erwachsene zu schreiben, zumindest, wenn es um fiktive Texte geht. Durch unsere eigenen Kinder habe ich einen Bezug zu den Themen, die ihnen etwas bedeuten. Aktuell schreibe ich an einer recht lustig-verrückten Geschichte zum Thema Wackelzähne.

Wo, bzw. wie haben Sie die besten Einfälle für neue Geschichten? Ergeben sie sich aus Ihrem eigenen Alltagsgeschehen?

Durch unsere eigenen Kinder habe ich einen Bezug zu den Themen, die ihnen etwas bedeuten. Aktuell schreibe ich an einer recht lustig-verrückten Geschichte zum Thema Wackelzähne. Mein Jüngster hat neulich einen Zahn verloren und im Kindergarten scheinen möglichst viele Zahnlücken eine Art Statussymbol zu sein.

Ihr Buch Greta und die Kummerfee erzählt die Geschichte der kleinen Greta, die einen ganz schlechten Tag hat. Schimpfen darf sie nicht – wie also den Kummer loswerden? Dabei gehen Sie aber nicht nur auf Kinder ein, die ebenso einen schlechten Tag haben können, sondern beschreiben auch die Hilflosigkeit von Eltern in solchen Situationen. Ein Buch also für die ganze Familie, das auch Papa abends auf der Couch noch lesen kann?

Solange Kinder noch nicht selbst lesen können, ist das Vorlesen immer etwas Gemeinsames und Verbindendes. Tatsächlich habeich schon Momente erlebt, in denen eines meiner Kinder wütend oder enttäuscht war und ich keinen Zugang hatte. Für einen selbst als Mutter oder Vater ist es schmerzhaft, ausgegrenzt zu werden, aber man muss akzeptieren, dass auch kleinere Kinder schon bestimmte Dinge mit sich selbst ausmachen wollen. Als Erwachsene können wir mit unseren Affekten besser umgehen, sollten wir zumindest. Ein Kind aber muss das erst lernen und kann von schlechten Gefühlen komplett überrumpelt werden. In meiner Geschichte akzeptieren Gretas Eltern diesen Kummer, sie spielen ihn nicht herunter, zeigen aber, dass sie da sind. Insofern – ja, auch Papas dürfen das Buch gern abends auf der Couch vorlesen.

Für welches Alter sind Ihre Bücher geeignet?

Ich schreibe für verschiedene Altersgruppen, angefangen bei den ganz Kleinen ab zwei Jahren. Die Linus-Bände sind Bilderbuchgeschichten mit wenig Text. Die Wichtelgeschichten und die Feengeschichten sind für Kindergarten- und Vorschulkinder geeignet. Ich arbeite seit einer Weile an einem Roman für Kinder ab acht Jahren, daran werde ich auch noch eine Weile sitzen. Sechs Bücher sind insgesamt schon erschienen, die ich auch alle in meinem eigenen Onlineshop unter https://www.tinyfoxes.de/kinderbuecher/ vorstelle.

Worauf legen Sie bei Ihren Geschichten besonderen Wert?

Ich mag keine Geschlechterstereotypen. Bei mir dürfen auch Mädchen handwerklich begabt und die Heldin der Geschichte sein. Einem Genderwahn will ich dabei trotzdem nicht verfallen. Wichtig ist mir, dass eine Moral hängen bleibt. Das muss gar nicht bewusst passieren. In meinem Buch „Die Fee und der eifersüchtige Zauberer“ geht es zum Beispiel, wie der Titel schon verrät, um das große Thema Eifersucht.

Sie schreiben und illustrieren nicht nur Kinderbücher, sondern Sie stellen auch Wichtel- und Feentüren her. Was hat es damit auf sich?

Ich liebe es, Kinder zu beobachten, die noch in ihrer magischen Welt ganz aufgehen können: Die positive Aufregung, der Zauber, die Freude. Dafür stehen die Wichtel- und Feentürchen, die für mich produziert werden. Sie sind eine Art Zugang in diese magische Welt, den man sogar berühren kann. Es ist spannend, wie unterschiedlich die Vorstellungen der Kinder sind, wer wohl hinter dieser kleinen Tür lohnt. Es ist manchmal schade, wenn Eltern das gruselig finden, weil sie zu viele Horrorfilme geschaut haben. Kinder verbinden mit Feen und Elfen oder Wichteln nichts Negatives. Viele fühlen sich beschützt, besonders abends beim Einschlafen, wenn sie mit sich alleine sind und das Licht aus ist.

Hergestellt werden die Türen in Handarbeit im Erzgebirge. Von wem?

Von einem traditionellen Familienbetrieb, der bereits in fünfter Generation auf die Fertigung von Holzspielzeug spezialisiert ist. Ich kenne den Inhaber persönlich, das ist wichtig für das gegenseitige Vertrauen.

Dazu gibt’s die passende Deko, um die Illusion noch echter zu machen. Welche Artikel sind es, die die Türen für Kinder noch erlebbarer machen?

Die kleine Holzbank zum Beispiel. So ein Wichtel hat immerhin viel zu tun und soll sich ausruhen können. Die Leiter ist ein Verkaufsrenner. Man stellt sich sofort den Wichtel vor, der sie über der Schulter trägt und damit im Zimmer herumklettert. Die kleine Truhe mag ich auch sehr, zu Hause nutzen wir sie für die Feenpost.

Zeichnen Sie auch Ihre Wand-Tattoos und Sticker selbst?

Ja, alle. Manche am Computer, vieles aber mit Pinsel und Farbe auf dem Papier.

In Ihrem Onlineshop bieten Sie unter https://www.tinyfoxes.de/schoenes-aus-stoff/ auch handgenähte Puppen, Kuschelkissen und Kinderschürzen an. Dabei verlassen Sie sich ebenfalls auf regionale Hersteller. Wie kam es zur Zusammenarbeit, z. B. mit Cornelia Bernhardt, die in Leipzig sogar einen eigenen Laden betreibt?

An Cornelias Laden bin ich lange jeden Tag vorbeigefahren. Irgendwann war ich neugierig, denn sie dekoriert ihr Schaufester immer sehr liebevoll. Sie ist ein herzlicher und offener Mensch, ich wollte unbedingt mit ihr arbeiten. In solchen Dingen bin ich Lokalpatriot. Diese kleinen Läden bereichern unsere Stadt, sie sind besondere Kleinode. Das muss man unterstützen und nicht hunderte Kilometer entfernt produzieren lassen.

Bildquelle: © bigstock.com/ DSom

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