Trennungsschmerz an der Kindergartentür? Wie die Eingewöhnung in der KiTa gut gelingt

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Vielleicht hat Ihr Kind bereits in einem sehr jungen Alter mehrere Stunden ohne Sie verbracht, bestens aufgehoben bei den Großeltern, behütet in der Spielgruppe oder in den guten Händen eines vertrauten Babysitters?
Vielleicht bedeutet der Start in den aber auch für Eltern und Kind, sich erstmalig und von da an regelmäßig für mehrere Stunden voneinander zu trennen?

Für beide Seiten kann diese neue Erfahrung schmerzlich sein, doch während es Mama oder Papa in der Regel nicht schwerfallen dürfte, zumindest nach außen hin Fassung und eine fröhliche Miene zu bewahren, wird ein einjähriges, zweijähriges oder dreijähriges Kind keinen Hehl daraus machen, wenn es so gar nicht in seinem Sinne ist, dass seine Eltern sich morgens an der Kindergartentür von ihm verabschieden wollen.

Aus Perspektive des Kindes ist dies ja auch durchaus verständlich:
Viele große fremde Räume umgeben es plötzlich, die unzählige neue Eindrücke auf einen Schlag bieten.
Viele – auch deutlich ältere – Kinder, die sich morgens mit einem großen „Hallo“ einfinden, können auf Ruhe gewöhnte Kinder einschüchternd wirken.
Und die zahlreichen fremden Erwachsenen erst, die da plötzlich vor einem stehen!
Wer würde es einem Kind da verübeln, dass ihm die ganze Sache zunächst nicht geheuer scheint und es Mamas oder Papas Hand als einzig wahre und vertraute Rettungsinsel in dieser Fremde sucht?

Hier ein kleiner „Fahrplan“ aus Elternerfahrung, mit dem die Eingewöhnung in der KiTa hoffentlich gut gelingt:

Tage und Wochen vor dem ersten Kindergartentag

  • Erzählen Sie ihm Kind vom Kindergarten und von Ihrer eigenen Kindergartenzeit.
    Nutzen Sie gemeinsame Spaziergänge, um von außen Gebäude und Gelände anzuschauen und den Kindergartenkindern beim Toben und Fröhlichsein zuzusehen.
    Viele Kinder beobachten zunächst gerne aus der Distanz, bis sich irgendwann der innige Wunsch einstellt, da mit dazu zu gehören und dort hinterm Zaun mitspielen zu dürfen.
  • Vielleicht bleibt Ihr Kind bereits gerne bei der Nachbarin, während Sie einkaufen? Vielleicht geht es regelmäßig bei anderen Kindern spielen, übernachtet bei den Großeltern, war schon einmal ohne elterliche Begleitung bei einem Kindergeburtstag oder kennt regelmäßige Trennungen von der Spielgruppe? Ansonsten: Versuchen Sie, solche Gelegenheiten zu schaffen.
    So spürt Ihr Kind ganz bald: Trennung ist halb so schlimm, denn auf Mama/Papa ist Verlass! Sie holen mich immer wieder ab – und manchmal kann es auch ohne sie sehr schön und kurzweilig sein!
  • Suchen Sie – zusammen mit Ihrem Kind – vielerlei Möglichkeiten zum Kennenlernen des künftigen Kindergartens.
    Geben Sie Ihrem Kind die Chance, im wahrsten Sinne ausgiebig in den Kindergarten hineinzuschnuppern, die Räume beispielsweise in den ruhigeren Nachmittagsgespräch anlässlich eines Informationsgesprächs zu entdecken, Interessantes zu finden, Geräusche, Gerüche, eben die ganze Atmosphäre in sich aufzunehmen.
    Nutzen Sie den „Tag der Offenen Tür“ oder begleiten Sie doch mal eine Freundin, die ihr Kind in diesem Kindergarten abholt.
  • Gönnen Sie Ihrem Kind schöne Dinge, die Lust machen auf den Kindergartenweg, auf das gemeinsame Frühstück mit anderen, auf das Toben in der Turnhalle oder das Buddeln in der Sandkiste!
    Was dazu gehört? Unter anderem natürlich eine schöne wie funktionale Kindergartentasche, Brotdose und Trinkflasche, Matschhose, Turnsachen und sicherlich die eine oder andere Kleinigkeit mehr!

Am ersten Kindergartentag

  • Beginnen Sie diesen großen Tag ohne Stress und Hektik.
    Nehmen Sie sich Zeit für ein gemütliches Frühstück, vermeiden Sie anstrengende Suchen nach verlegten Dingen und schaffen Sie ein ausreichendes Zeitfenster für alles zu Erledigende, damit ein Aufbruch ohne Zeitdruck möglich ist.
  • Im Kindergarten angekommen sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind sich nicht plötzlich verlassen fühlt, vielleicht, weil Sie „’mal eben kurz“ etwas im Büro der Kindergartenleitung zu erledigen haben.
  • Versuchen Sie jedoch umgekehrt nicht, Freundschaften mit anderen Kindern gleich am ersten Morgen an der Garderobe zu vermitteln.
    Manch ein Kind ist so selbstbewusst und wird sehr bald von allein auf andere zugehen. Ist dies nicht der Fall, muss es vielleicht erst in Ruhe – darüber können durchaus Stunden und Tage vergehen! – einen Eindruck gewinnen, wer als Spielpartner zu ihm passt. Auch die Erzieherinnen werden schnell spüren, zwischen welchen (neuen) Kindern die Chemie stimmt, und entsprechend vermitteln.
  • Sicherlich gibt es eine Absprache mit den Erzieherinnen, wie die Eingewöhnung üblicherweise gehandhabt wird. Ob Sie morgens noch ein Weilchen bleiben können oder recht schnell (zur Arbeit) gehen müssen: Hauptsache, Ihr Kind wird im Vorfeld darüber nicht im Unklaren gelassen und muss keine unangenehmen Überraschungen erleben.

In der ersten Zeit

  • Nehmen Sie es sich nicht zu Herzen, wenn Ihr Kind beim Abschied, vielleicht auch beim Abholen anscheinend „einsam und verlassen“ an einem Tisch oder auf einer Bank im Garten sitzt. Nicht jedes Kind ist immer gerne mittendrin! Manch eines schaut einfach höchst interessiert anderen zu, ohne dass es sich ausgeschlossen, alleine oder gelangweilt fühlt!
  • Bleiben Sie konsequent, wenn morgens hin und wieder Tränen fließen oder sich am Ende gar kleine Dramen abspielen, selbst wenn die ersten Tage doch so gut überstanden wurden.
    Der Reiz des Neuen ist verflogen, der Kindergarten schon fast Routine – da scheint es dem frischgebackenen Kindergartenkind vielleicht wieder sehr attraktiv, bei Schmuddelwetter bei Ihnen und eventuell jüngeren Geschwistern zu Hause zu bleiben und den ganzen Morgen nach Herzenslust in seinem Kinderzimmer zu spielen?
    Vielleicht gab es auch Zank mit anderen Kindern oder das auserkorene Lieblingsspielzeug war dauernd besetzt? Die Einhaltung der Gruppenregeln, die Orientierung zwischen so vielen Namen und Gesichtern fällt noch schwer oder es gab kleine Enttäuschungen, weil die Realität nicht mit den schönen Kindergartengeschichten aus dem Vorlesebuch übereinstimmt?
    Suchen Sie das Gespräch mit den Erzieherinnen und Ihrem Kind, denn für fast jedes Problem wird sich eine Lösung, für jedes Missverständnis eine Erklärung finden lassen.
  • Vertrauen Sie auf die Erfahrung der Erzieherinnen!
    Vielleicht gibt es Situationen, in denen Sie sich wünschen werden, Ihr Kind würde mehr umsorgt, mehr beachtet, mehr behütet, mehr eingebunden ins Spiel anderer Kinder? Sie fürchten, Ihr Kind könnte „untergehen“ in der großen Anzahl von Kindern?
    Tatsächlich empfindet Ihr Kind vielleicht ganz anders? Und was eigentlich fast unmöglich erscheint – dass die Erzieherin jedes Kind und seine Bedürfnisse stets im Blick hat – klappt in Wirklichkeit ganz wunderbar.
    Und auch wenn es mal Tränen gibt: Naturgemäß sind Erzieherinnen weniger emotional als Sie ans Kind gebunden, viel routinierter in der Einschätzung aller möglichen Situationen und können zum Wohle aller aufgrund ihres Wissens und ihrer Erfahrungen schnell und zuverlässig eine gute Lösung finden.
  • Sorgen Sie für einen guten Start in den Kindergartentag! Sprechen Sie sich vielleicht mit anderen Eltern ab, damit Ihre Kinder morgens zusammen mit dem Spielen beginnen können. Eventuell ist sogar ein gemeinsamer Kindergartenweg möglich?
    Erinnern Sie Ihr Kind daran, was ihm am Vortag soviel Freude im Kindergarten machte und morgens nun wieder auf es wartet, wenn es ihm an Motivation mangelt, Schuhe und Jacke und Kindergartenrucksack anzuziehen.
  • Seien Sie – falls möglich – früh im Kindergarten.
    Manch einem Kind ist es viel sympathischer, früh morgens in Ruhe anzukommen, schon mal die Erzieherin (fast) für sich allein zu haben und freie Wahl bei der Auswahl der Spielmöglichkeiten vorzufinden, als „auf den letzten Drücker“ in die schon trubelige Gruppe bereits bestens miteinander spielender Kinder zu kommen.
  • Halten Sie Absprachen mit Ihrem Kind bezüglich der Abholzeiten ein, vor allem dann, wenn Ihr Kind schon die Uhr lesen kann!
  • Lassen Sie Ihrem Kind gegenüber nie Zweifel daran aufkommen, dass Sie es mit bestem Gefühl im Kindergarten lassen.
    Was soll das Kind denken, wenn es merkt, dass sogar Mama oder Papa die Trennung schwer fällt? Starten Sie vom Kindergarten aus gut gelaunt in den Tag und vermitteln Sie dabei auch Ihrem Kind, dass es tolle Erlebnisse und spannendes Neues an diesem (Vormit)Tag erwarten!
    Auch wenn Ihr Kind dies morgens skeptisch sieht, werden Sie es mit großer Wahrscheinlichkeit beim Abholen mit leuchtenden Augen und strahlendem Gesicht wieder in die Arme schließen können!
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