Wenn das Aufräumen nicht recht gelingen will: mit einem „Fahrplan“ und System ans Ziel

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„Nu‘ räum‘ doch mal Dein Zimmer auf!“
Wenn Eltern sich das Chaos im Kinderzimmer einige Tage, vielleicht sogar über Wochen mit angesehen haben, reißt oft der stärkste Geduldsfaden!
Bei allem Respekt vor den einigen vier Wänden des Nachwuchses: eine „Räuberhöhle“ im Haus müssen Eltern sicher auf Dauer nicht hinnehmen.

„Was benutzt wurde, wird anschließend an seinen Platz zurück geräumt“ – das lernen schon Dreijährige im Kindergarten.
Leider ist das, was anderorts so selbstverständlich in Fleisch und Blut übergegangen ist, zu Hause oft Anlass für immer neue Diskussionen.

Warum klappt’s scheinbar überall mit der Ordnung, nur zu Hause nicht?

Zugegebenermaßen wird es den Kindern außerhalb der eigenen vier Wände oft durch erprobte, großzügig angelegte und ausgeklügelte Ordnungssysteme einfach gemacht, nach Spiel und Arbeit wieder Ordnung zu schaffen.

Zu Hause hingegen fehlt oft die Zeit, vielleicht auch der Platz für ein vernünftiges Ordnungssystem.
So stapeln sich halb erledigte Dinge neben den Hausaufgaben auf dem Schreibtisch, die Zeit reichte mal wieder nicht, um nach dem Umziehen die noch saubere Wäsche zurück in den Schrank zu falten und diverse lose herumliegende CDs teilen sich ein Regalbrett mit ihren ebenso verstreuten Hüllen … .
Wer als Eltern diesen Anblick nicht kennt, spätestens wenn die Kinder das fortgeschrittene Grundschulalter erreicht haben, ist wahrlich zu beneiden!

Oft ist gar nicht die fehlende Motivation das Problem, schließlich wird sich kaum ein Kind in einem „Saustall“ wirklich wohler fühlen als in einem aufgeräumten Zimmer.
Vielleicht schon eher die Zeit, wobei feste Absprachen („jeden Abend 15 Minuten vor dem Schlafengehen“) das passende Zeitfenster zum Aufräumen schaffen können.

Vielmehr aber ist es die fehlende Lust, oft einhergehend mit und resultierend aus dem Problem, den berühmten Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen:
um das Bett machen zu können, müssten erst die Stofftiere runter. Der Boden ist aber schon voll mit Büchern! Die können wegen besagter CDs samt Hüllen nicht ins Regal und die Wäsche kann auch nicht wieder aufgehangen werden, weil die Kleiderbügel irgendwo unter dem Papierstapel auf dem Schreibtisch vergraben sind … .

Was helfen kann, ist vielleicht ein System. Eins, das auf das Kind und sein Zimmer angepasst ist. Das mit elterlicher Hilfe erstellt und gemeinsam erprobt wird.
Einen Versuch ist es wert! Am besten nicht „zwischen Tür und Angel“, sondern an einem sonst freien, optimalerweise noch verregneten Nachmittag, an dem sonst nichts und niemand zu anderen Dingen verlockt und ablenkt.

Eine Übersicht verschaffen und Neues versuchen

Wer kennt es nicht? Es gibt Dinge, die liegen irgendwie immer herum. Kaum ist das Zimmer aufgeräumt, haben sie schon wieder ihren zugewiesenen Platz verlassen. Wie z. B. die berühmten CD-Hüllen!

Fragen Sie das Kind doch einfach mal, warum das so ist.
Warum nicht eine gehört und anschließend gleich zurück in die Hülle zurück gelegt wird? Vielleicht ist der Grund ganz banal und Abhilfe zu schaffen recht einfach:

Das CD-Fach schlecht erreichbar (zu hoch, in einer für kurze Kinderarme schlecht zugänglichen Ecke?), die Hüllen teilweise verschwunden oder kaputt, das Einräumen umständlich, weil es im CD-Schrank zu voll ist oder die Schublade klemmt?
Mit neuen CD-Hüllen und einem übersichtlichen CD-Board in gut erreichbarer Höhe an der Wand gleich neben dem CD-Spieler gelingt das Aufräumen vielleicht gleich viel leichter?

Das Bett wird nicht gemacht, weil dafür erst alle Stofftiere raus müssen?
Vielleicht gibt es für sie einen Platz in einer Hängematte über dem Bett oder auf einem Regalbrett? Vielleicht sind es auch einfach viel zu viele und manche müssen reihum eine Weile aus dem Kinderzimmer „ausziehen“?

Die ganze Spielzeugkiste muss stets ausgeschüttet werden, um die Ritterfiguren zum Spielen heraus zu suchen?
Mehrere kleinere, beschriftete Kisten für Holzbausteine, Autos, Tiere etc., die einzeln aus dem Regal genommen werden können, idealerweise dazu mit gut schließendem Deckel und stapelbar, können eine große Erleichterung für das Kind darstellen!

Die Spiele passen nur in den Schrank, wenn sie in einer bestimmten Anordnung stehen?
In diesem Fall mal schauen, was vielleicht aussortiert werden kann, weil es ohnehin nicht mehr komplett ist oder das Kind aus dem Alter für das Spiel raus ist.
Kann so kein Platz geschaffen werden, kann folgendes helfen: die Spiele einmal ordentlich auf die Regalböden einräumen und die Böden anschließend mit den Namen der zugehörigen Spiele beschriften (spurlos wieder entfernbar mittels bedruckbarem Beschriftungsband beispielsweise). So bekommt das Kind eine gute Orientierungshilfe für das nächste Mal und auch Besucherkinder können tatkräftig beim Aufräumen Unterstützung leisten!
Kleineren Kindern kann ein Foto des eingeräumten Spieleschranks hilfreich sein.

Ein Punkteplan zum Abhaken

Einmal mit System gemeinsam aufzuräumen reicht oft nicht aus, damit das Kind beim nächsten Mal dem Chaos zielsicher und entschlossen entgegen treten kann.
Einfacher wird es, wenn die sinnvolle Reihenfolge des Aufräumens zusammen festgehalten, nieder geschrieben und gut sichtbar im Zimmer platziert wird.
Am besten ausgedruckt und laminiert, damit das lose Blatt an der Wand selbst auf Dauer nicht zum Schandfleck wird … .

Mögliche Punkte können sein:

1. Verstreute Wäsche einsammeln. Schmutzige in den Wäschekorb ins Badezimmer bringen, saubere zurück in den Schrank legen oder hängen.

2. Das Bett machen, anschließend Stofftiere und Schlafanzug ggf. vom Boden aufheben und auf das Bett setzen bzw. legen.

3. Alle herumliegenden Bücher einsammeln, die gerade nicht gelesen werden, und ins Regal stellen. Die übrigen mit einem Lesezeichen versehen, zuklappen und gestapelt auf den Nachttisch legen.

4. Aufgebaute Spiele in ihre Kartons räumen und – wenn erfolgreich auf Vollständigkeit überprüft – in den Schrank oder ins vorgesehene Regal räumen.

5. Kleinteile (Murmeln, Bausteine etc.) aufheben und einsortieren, sowie Zubehör aus Spielen, einzelne Puzzleteile etc. zurück in die entsprechenden Kartons sortieren.

(Wenn die Zeit dafür nicht immer reicht, eine „Kleinkramdose“ einrichten, in der genau diese Sachen gesammelt werden. Damit sie nicht verloren gehen, bis mal wieder Zeit zum Einsortieren bleibt.)

6. Abfall aus dem ganzen Zimmer einsammeln und in den Papierkorb stecken. Den Papierkorb falls nötig ausleeren – und nicht erst, wenn er überquillt!

7. Den restlichen Schreibtisch aufräumen und abwischen, bevor die Hausaufgaben in Angriff genommen werden.

Eltern und Kinder wissen natürlich am besten, wo die Knackpunkte liegen und was alles auf die Liste muss.

In jedem Fall sollte alles einvernehmlich festgelegt und notiert werden.
So haben Ausreden wie „Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll“ und „Ich kann das nicht alleine“ beim nächsten Mal im Grunde keine Chance mehr!

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